Mehr als 1000 € für einen normalen Sitzplatz – das unglaubliche Geschäft mit Bundeligatickets

Bereits mehrfach kam es in dieser Saison vor, das Borussia Mönchengladbach hätte weitaus mehr Tickets verkaufen können, als der heimische Borussia-Park platz bietet. Aktuell ist das kommende DfB-Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern München am 21. März ein solches Aufeinandertreffen. Innerhalb von wenigen Stunden waren alle Tickets für die Begegnung vergriffen und dennoch scheint es noch Karten wie „Sand am Meer“ zu geben …

Früher gab es den berüchtigten Schwarzmarkt vor den Stadiontoren.  Wenn du keine Karte hattest, fand sich immer jemand der für ein paar Mark mehr noch eine zu verkaufen hatte. Was damals gang und gäbe war und zwischenzeitlich verboten ist, findet heute online im großen Stil statt. Auf Plattformen wie z.B. Ebay werden Tickets zu horrenden Preisen Angeboten – zumeist von Privatpersonen. Seitdem der Großteil der Bundesligisten solche „Transaktionen“ aufspürt und sanktioniert, blüht der Schwarzverkauf von Tickets vor allem bei Direktportalen.

„Viagogo“ ist das wohl bekannteste Portal für Bundesligatickets. Hier bekommt der Fan was er so sehr will, aber auf normalem Weg nicht bekommt: Tickets für sein Wunschspiel. Nehmen wir den Pokalkracher Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern als Beispiel: Für „läppische“ 122 € bekommt man einen Stehplatz in der Gästekurve, für Sage und Schreibe 1.373 € einen Sitzplatz auf der Gegentribüne. Zwischen 122 € und weit über 1000 € ist also alles zu haben –  spätestens bei solchen Preisen und der Menge an verfügbaren Karten, hört der Spaß auf.

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ begab sich in den letzten Wochen einmal auf Spurensuche, wie es sein kann, das einschlägige Portale an derart viele Tickets kommen. Stecken die Vereine selbst dahinter? Ein ordentlicher „Zuverdienst“ wäre jedenfalls über diesen Weg für die Vereine zu erzielen. Borussia Mönchengladbach bestritt unmittelbar nach dem VVK des Pokalspiels, auch nur irgendetwas mit Ticketportalen dieser Art zu tun zu haben.

Nebenjob Ticketscout

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ liegen Erkenntnisse darüber vor, dass einige Portale über sogenannte Ticketscouts verfügen und diese auch aktiv anwerben. Der Scout hat dabei lediglich die Aufgabe, die größtmögliche Anzahl von Tickets für Verein x und für Spiel y einzukaufen. Für die Weitergabe der Tickets an „sein“ Portal, kassiert dieser dann eine Provision, gemessen an der Gewinnspanne. So praktiziert es in der Region Aachen/Mönchengladbach/Düsseldorf/Köln vor allem ein einschlägiges Portal mit Firmensitz in Landgraaf/NL.

Von ehemaligen „Scouts“ ist zudem immer wieder zu hören, dass jene Portale sogar die Mitgliedschaft der Ticketscouts bei den einzelnen Vereinen tragen. Ein gutes Geschäft, denn bei durchschnittlich 60 € Jahresbeitrag  und dem damit verbundenen Vorkaufsrecht auf Tickets, ist dies eine lohnende Investition.

Diese Entwicklung ist gefährlich und so täten die Vereine der Bundesliga gut daran, sich umgehend mit diesem Problem auseinandersetzen und Lösungen zu finden, um diesen „Sumpf“ trocken zu legen. Ansonsten drohen dem deutschen Fußball bald englische Verhältnisse, mit Stadien in denen Familien sowie wahre Fans mit kleinem Geldbeutel keinen Eintritt mehr finden.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 17. Februar
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