Michael Sternkopf leidet an rezidivierender Depression

Die Liste der „Outings“ wird länger. Wieder einmal hat sich ein Fußballer,genau genommen ein ehemaliger Spieler der nun als Manager die Geschicke eher im Hintergrund führt,öffentlich zu seiner Erkrankung „Depression“ bekannt .

Michael Sternkopf – ehemaliger Bundesligaprofi und derzeitiger Organisationsmanager der Offenbacher Kickers steht seinem Verein bis auf weiteres nicht zur Verfügung…

 

 

 

Modeerscheinung, vorgeschobene Ausrede. Nach dem Tod Robert Enkes im November 2009 schrie ganz Fußball-Deutschland noch nach Aufklärung und mehr Toleranz für psychisch erkrankte – im Fußball sowie auch außerhalb. Wer jetzt den Weg öffentlich geht wird eher belächelt und als Simulant abgestempelt. Eine traurige, eine schlimme Entwicklung.

Man könne als einfacher Angestellter nicht einfach die Brocken für ein paar Wochen oder gar Monate hinschmeißen, so die Worte vieler. „Wenn ich zu meinem Chef gehe und sage ich kann nicht mehr, bekomme ich die Kündigung“. So weit, so richtig. Aber ist es es dann wert für so einen „Menschen“ zu arbeiten, sich zu knechten? Nach der Auszeit ist vor dem neuen Job, vor einer neuen Möglichkeit. Die Gesundheit ist das wichtigste Gut des Menschen…

Michael Sternkopf geht nun diesen Schritt. Nach Miller,Rangnick und Fenin hat sich auch Michael Sternkopf zur Behandlung seiner depressiven Erkrankung in eine Klinik gegeben. Und das trotz des Risikos seinen Job zu verlieren – eine völlig richtige Entscheidung. Er fühle sich leer, aggressiv, reizbar  – die Verantwortung seines Jobs unterdrücke ihn.

 

Ich war auf einmal verantwortlich für eine Sache, die ich noch nie gemacht habe. Ich hatte beispielsweise Angst davor, dass ein neu verpflichteter Spieler plötzlich nicht spielberechtigt sein würde, weil ich vergaß, ein Dokument einzureichen.“ 

„Der Druck, den er spürte, war enorm: „Während eines Spiels saß ich auf der Bank, war gedanklich plötzlich total weg. Ich habe mich so umgeschaut und dachte: ,Sch…, ich spüre gerade alle Zuschauer und das Stadion auf meinen Schultern.‘ Dieses Wissen um die Verantwortung hat mich erdrückt in dem Moment.“

 

Sternkopf leidet unter einer rezidivierenden, klinischen Depression

 

Es ist nicht die erste schwierige Phase, nicht die erste psychische Krise des ehemaligen Spielers, der  u.a. für Bayern München und Borussia Mönchengladbach insgesamt 210 Mal in der Bundesliga auflief. Bereits zu seiner Zeit beim FC Bayern München fiel der als damals 20-jähriges Talent nach München gewechselte Sternkopf in eine Depression. Gut ein Jahr nach seinem Wechsel zum Rekordmeister, hielten ihn lediglich starke Psychopharmaka im Leben. Eineinhalb Jahr lang ging diese Phase, die nun mit der neuerlichen Erkrankung (Rezidiv)  Sternkopfs eine traurige und schlimme Fortsetzung findet…

Michael Sternkopf will zurück kommen. Zurück zu sich selbst und zurück ins harte Fußballgeschäft – fraglich ob ihn die erfolgsorientierte Gesellschaft überhaupt zurück will. Psychisch Erkrankte stellen ein nicht zu kalkulierendes Risiko dar – so hart das kling. Sternkopf, Rangnick, Fenin, Miller und alle „Otto Normalverbraucher werden irgendwann ein Lied davon singen können. Die Stigmatisierung der Erkrankten nimmt zu – trotz aller Lippenbekenntnisse nach dem 10.11.2009. Eine traurige Entwicklung…

 

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 26. Oktober
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