Nach dem Spiel bei Alemannia Aachen: Die Borussen in der Einzelkritik

Die Borussia zog mit einem ziemlich ungefährdeten 2:0-Auswärtserfolg bei Alemannia Aachen in die zweite Pokalrunde ein. Wir haben ein bisschen genauer hingesehen und den Spielern ein Zeugnis ausgestellt…

Marc André ter Stegen: Der 20-Jährige hatte einen relativ ruhigen Nachmittag. Wenn er denn gebraucht wurde, stand er wie gewohnt sicher und sachlich seinen Mann. Auffällig war dabei wie fast immer seine sehr gute Strafraumbeherrschung und Antizipation. Als mitspielender Torhüter ist er für seine Vorderleute eine wichtige Bank und ein klarer Führungsspieler in der Defensive. Note: 2

Filip Daems: Der Kapitän agierte zeitweise wie gewohnt solide und beschränkte sich auf seine defensiven Grundaufgaben. Dabei hätte der zunächst wenig beschäftigte Belgier eigentlich öfter den Vorwärtsgang suchen können. Möglicherweise wollte sich der 33-Jährige seine Kräfte bei der enormen Hitze aber auch einteilen. Zusätzlich ins Schwitzen geriet Daems vor allem in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit. Sein Aachener Gegenspieler entwischte ihm gleich mehrfach auf Höhe der Eckfahne und konnte so gefährlich vor das eigene Tor passen. Glück hatte die Borussia dabei, als der ehemalige Gladbacher Sascha Rösler den Ball nach einer Flanke nicht richtig traf und neben das Gehäuse köpfte. Note: 3-

Alvaro Dominguez: Es war ein ordentliches erstes Pflichtspiel des spanischen Neuzugangs. Das Zusammenspiel und die Absprache mit seinen Nebenleuten klappte bereits ganz ordentlich. Einzige Kritikpunkte: Vor allem gegen Sascha Rösler verlor Dominguez einige Kopfballduelle, zudem hakte es einige Male in der Organisation seiner Nebenleute bei den wenigen schnellen Kontern der Alemannia. Dabei stand immer ein vorgestoßener Aachener „blank“. Der Spanier, der nach einem eigentlich starken Forechecking die Gelbe Karte sah, war erster Anspielpartner in der Defensive und sorgte so mehrfach für eine ordentliche Spieleröffnung von hinten heraus. Note: 2-

Martin Stranzl: Ruhig, besonnen, unaufgeregt – so einfach kann man das Spiel des Österreichers beschreiben. Die Absprache mit seinem neuen Nebenmann Dominguez klappt bereits recht gut und auch sonst stand der 32-Jährige meist richtig und sicher. Note: 2

Tony Jantschke: Es war nicht der Tag des U21-Nationalspielers. Gleich mehrfach ließ sich Jantschke auf der rechten Seite überlaufen und zwang so seinen Innenverteidigerkollegen Stranzl immer wieder risikoreich nach außen zu verteidigen. Zudem unterliefen dem 22-Jährigen, der klar erkennbar oft den Vorwärtsgang suchte, leichte Ballverluste. Jantschke fehlte es in Aachen allgemein an der nötigen Konzentration, die er dann aber in der 63. Minute fand. Borussias Rechtsverteidiger klärte in aller höchster Not vor einem zum Einschuss bereiten Aachener Spieler.Note: 3-

Havard Nordtveit: Der Norweger hätte zum Matchwinner des Spiels werden können. Hätte. Wenn da nicht seine notorische Abschlussschwäche wäre. Gleich dreimal stand Nordtveit weitestgehend blank vor dem Aachener Kasten – dreimal gewann der junge Aachener Keeper oder es verließ den Norweger die Konzentration. Vor allem seine Chance in der 21. Spielminute, als er zu langsam auf Torhüter Krumpen zulief, war eine der Marke „muss man machen“. Den Lohn für seine Offensivbemühungen sollte Nordtveit dennoch erhalten: Unmittelbar vor Spielende erzielte der 22-Jährige nach feinem Zuspiel von Juan Arango den 2:0-Endstand. Ansonsten spielte der Norweger ein ordentliches Spiel, in dem ihm jedoch immer wieder leichte Ballverluste und Ungenauigkeiten unterliefen. Alemannia Aachen konnte jene Geschenke nicht annehmen – Dynamo Kiew sollte man diese allerdings nicht in dieser Art und Weise machen. Note: 3+

Granit Xhaka: Der Neuzugang zeigte gegen Aachen, das in ihm ein richtiges Kämpferherz steckt. Xhaka ging weite Wege, lief viel und biss sich trotz einiger Fehler immer wieder in die Partie hinein. Im Zweikampfverhalten war der Schweizer oftmals richtig resolut und stark – vor allem Mitte der zweiten Hälfte, als es den Anschein machte, als könne er körperlich trotz der widrigen Umstände noch zulegen. Xhaka versuchte immer wieder mit Schüssen aus der zweiten Reihe, jedoch ohne wirklichen Erfolg. Trotz seiner Präsenz und dem klaren Willen als Ballverteiler zu fungieren, unterliefen dem etwas offensiveren „Sechser“ der Borussia einige teils heftige Abspielfehler. Dies ist ein Punkt, den der Schweizer dringend verbessern muss. Ansonsten deutete Xhaka an, das er in Zukunft  Borussias Dreh- und Angelpunkt sein kann. Seine hervorragenden Anlagen waren trotz der Fehlpässe nicht zu übersehen. Note: 3+

Juan Arango: Für viele Beobachter der Mann des Spiels. Der Venezolaner rochierte viel, war mal links, mal rechts und sogar in der Mitte anzutreffen. Im ersten Pflichtspiel nach Marco Reus war Arango gewillt als Spielgestalter und Initiator seiner Mannschaft zu fungieren und Kreativität ins Spiel zu bringen. Stark auf wieder bei ruhenden Bällen – vor allem in der 64. Spielminute, als er einen Freistoß gefährlich an den Aachener Außenpfosten schlenzte. Mit seinem coolen Tor zum 1:0, als ihn Kollege Luuk de Jong exzellent bediente, belohnte sich Gladbachs „Hurrikan“ für seine vor allem auch läuferisch starke Leistung. Am Ende gelang ihm noch ein sehenswerter Assist, als er bei einem Konter Havard Nordtveit mit einem herrlichen Pass auf die Reise schickte. Note: 2+

Patrick Herrmann: Borussias Youngster ist noch nicht wieder in Form. Nach seinem Muskelfaserriss in der Saisonvorbereitung fehlte es dem 21-Jährigen vor allem an der nötigen Fitness sowie Spritzigkeit. Herrmann gewann nur wenige Zweikämpfe und hatte in seinen Bewegungen noch nicht die nötige Schnelligkeit und Koordination. In den kommenden Wochen wird er ordentlich auf die Zähne beißen müssen, um wieder ein wichtiger Punkt im favre´schen System sein zu können. Note: 4

Igor de Camargo: Der Belgier tat sich schwer gegen den Drittligisten. Während er in den ersten 45 Minuten noch ständig in Bewegung war und Lücken riss, baute de Camargo im zweiten Abschnitt zusehends ab. Dabei hätte er durchaus einen Treffer erzielen können, wenn nicht gar müssen. Nachdem der Belgier in der 41. Spielminute freistehend an Alemannia Keeper Krumpen scheiterte, schoss er in der 79. Minute völlig überhastet über das frei vor ihm stehende Tor. Seine Auswechselung kam nicht überraschend – vor allem in den zweiten 45 Minuten verstolperte de Camargo ein ums andere Mal viele Bälle und zeigte gravierende technische Fehler. Note: 4+

Luuk de Jong: Borussias niederländischer Rekordtransfer scheint angekommen zu sein. Die Leistung des Nationalspielers macht Lust auf viel, viel mehr. Klar erkennbar: De Jong ist nicht der Typ Stürmer, der in der Box auf Anspiele seiner Kollegen wartet. Viel mehr ist der 21-Jähige ständig in Bewegung und sich nicht zu schade auch weiter hinten die Bälle zu abzuholen. Das Zusammenspiel mit seinen Mitspielern auf engstem Raum sah schon ganz gut aus. Hervorragend sein erster Assist im Trikot mit der Raute: Luuk de Jong nahm den Ball mit dem Rücken zum Tor an und steckte sehenswert auf den sich durchtankenden Juan Arango durch. Beinahe gelang dem Neuzugang gar das erste To: Frei vor Aachens Keeper entschärfte dieser einen Schuss aus kurzer Distanz. Noch merkt man dem Stürmer die fehlende Spritzigkeit an die nötig ist, um vor dem Tor extrem gefährlich zu werden und die Lücke zu finden. Noch. Viel fehlt dem Kämpferherz nicht mehr. Note: 2-

Alexander Ring ab 59. Minute: Die erste Aktion des Finnen war gleich gefährlich als er von außen für Gefahr sorgte. Im Anschluss war Ring dann überall auf dem Platz zu finden – laufstark, ballsicher und immer anspielbereit deutete er an, was alles in ihm steckt. In der 79. Minute zündete Ring gar den Turbo in Reus-Manier, um Igor de Camargo hervorragend freizuspielen. Lucien Favre wird mit Sicherheit in Erwägung ziehen den Finnen gegen Kiew für den noch nicht wieder fitten Hermann beginnen zu lassen. Note: 2-

Mike Hanke ab 79. Minute: Der ehemalige Nationalspieler zeigte nach seiner Einwechselung sofort, dass mit ihm weiter zu rechnen ist. In der 85. Minute gelang ihn gar ein vermeintliches Abseitstor. Mit der nötigen Fitness, die Hanke in den kommenden Wochen mit Sicherheit zurückerlangen wird, kann er in der Offensive wieder eine ähnlich starke Rolle spielen wie in der vergangenen Spielzeit. Ohne Note

Oscar Wendt ab 90. Minute: Borussias Schwede kam kurz vor Abpfiff für den Spieler des Tages – Juan Arango – und konnte keine Akzente mehr setzen. Ohne Note

PS: Kennst du schon unseren kostenlosen Newsletter? »Hier« kannst du unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

veröffentlicht von Björn Brodermanns am 19. August
Diesen Artikel empfehlen:
 
Kommentieren via Facebook neu