Neuzugänge für Mönchengladbach: Es wird gepokert – Max Eberl und das finanzielle Problem

Die Zeiten bei Borussia Mönchengladbach haben sich geändert. Musste Sportdirektor Max Eberl vor einiger Zeit noch fast jeden Cent buchstäblich zweimal umdrehen, kann er heute, dank der Transfererlöse von Marco Reus und Dante, aus dem vollen Schöpfen. 22 Millionen Euro kann Gladbachs Manager dem Vernehmen nach ausgeben – nur an Ablösesummen. Paradiesische Zustände also am Niederrhein…

Geld macht nicht zwangsläufig alles einfacher

Nun tritt jedoch das ein, was nahezu jedem Beobachter und vor allem Eberl selbst klar gewesen sein muss: So wie Geld nicht glücklich macht, macht es das Leben eines Bundesligamanagers nicht zwangsläufig einfacher. Nachfragen sollte man diesbezüglich einmal bei Horst Heldt, der seinerzeit in Stuttgart einen gewissen Mario Gomez für 30 Millionen Euro nach München ziehen ließ. 30 Millionen Euro, die dem VFB im Nachhinein nicht nur gut taten.  Die darauffolgende Spielersuche wurde dadurch erheblich erschwert – jeder wollte etwas vom Kuchen abhaben. Spieler wie abgebende Verein gleichermaßen.

In einer ähnlichen Lage befindet sich gerade Gladbachs Sportdirektor. Bislang konnten nur die Transfers von Granit Xhaka vom FC Basel, Peniel Mlapa (TSG Hoffenheim) und dem schwedischen Sturmtalent Branimir Hrgota (Jönköping Södra) vermeldet werden. Besonders die Verhandlungen um den Schweizer Xhaka entwickelten sich dabei zu einem finanziell komplizierten Procedere.

Weitere Transfers ziehen sich

Finanziell kompliziert gestalten sich nun auch weitere angestrebte Transfers. Neben der neuen Finanzkraft der Borussia gesellen sich dazu auch Mitbieter, die scheinbar ohne nennenswerte Schmerzgrenze auf dem Markt agieren. So könnte der eigentlich schon als sicher geltende Transfer von David Junior Hoilett (Blackburn Rovers) zur Borussia doch noch platzen. Trotz eines ausgearbeiteten sowie unterschriftsreifen Vertrags werfen diverse Vereine nur so mit Geld um sich. So scheint die Borussia nun vor allem gegenüber Galatasaray und dem FC Liverpool ins Hintertreffen geraten zu sein.

Laut Informationen der britischen Presse könnte der 22-jährige Offensivspieler dort ein Vielfaches von dem verdienen, was Gegenstand in den Verhandlungen mit Gladbach war und ist. Sportdirektor Eberl sagte bereits vor Wochen: „Was zu tun ist, tun wir – aber ohne verrückte Dinge.“ Die auf der Insel kolportierten drei Millionen Euro Gehalt pro Jahr wären verrückt. Mehr als verrückt für einen 22-Jährigen, der zwar zweifellos über ein enormes Talent verfügt, aber auf der anderen Seite gerade erst seinen Durchbruch feiern konnte.

Eberl macht alles richtig

Was also tun Herr Eberl? Gladbachs Sportdirektor macht aktuell genau das Richtige. Abwarten, schauen was passiert und die eigenen Standpunkte durchziehen. Pokern ja, überreizen nein. Eine 22-jährige Wundertüte, die das Gehaltgefüge der Mannschaft durcheinanderwirbelt, muss man nicht auf Teufel komm raus verpflichten.

Dasselbe gilt im übrigen für den sich seit Monaten hinziehenden „Poker“ um Holland-Stürmer Luuk de Jong. Dass die Borussia als „Neureich“ gilt, ist auch dem abgebenden Verein Twente Enschede nicht verborgen geblieben. Zudem gibt es für den Verein der niederländischen Eredivisie keinen Grund schnell zu handeln. Der Spieler steht immerhin noch bis zum 30.06.2014 unter Vertrag – weitere Marktwertsteigerung also mehr als wahrscheinlich. Kein Wunder also, das man von der angeblich geforderten Ablösesumme in Höhe von 15 Millionen Euro nicht abrücken will.

Wendt als Faustpfand?

Ein großes Pfund im Werben um den EM-Teilnehmer könnte nun allerdings die Personalie Oscar Wendt sein. Nach Informationen der Bild-Zeitung sowie einigen niederländischen Medien buhlt Twente Enschede weiterhin um die Dienste des Schweden. Bereits im Winter blockierte Sportdirektor Eberl einen Vereinswechsel des Schweden, nun scheint das Werben der Niederländer aber vehementer zu werden.  Die Twente-Verantwortlichen dürften sich darüber im Klaren sein, das Eberl wohl nur im Falle einer „Verrechnung“ mit einem de Jong-Transfer gesprächsbereit sein wird.

Das Interesse an Oscar Wendt dürfte also als typisches Transfergeplänkel bezeichnet werden. Nun bleibt abzuwarten, wie heiß die Niederländer auf den Schweden sind und wie weit sie dabei bereit sind zu gehen. Sollte die niederländische Nationalmannschaft am morgigen Sonntag tatsächlich vorzeitig die Heimreise antreten müssen, könnte also Bewegung in die Sache kommen, auch wenn ein Transfer de Jongs zu Borussia Mönchengladbach mehr als unwahrscheinlich erscheint.

Warum eigentlich nicht Jansen?

Immerhin müsste sich auch die Borussia bezüglich eines Wendt-Weggangs einverstanden zeigen. Da man mit Filip Daems nur einen nominalen Linksverteidiger im Kader hat, müsste man sich nach einer rar gesäten Alternative umsehen. Viele Fans der Borussia dürften da an einen gewissen Marcell Jansen aus Hamburg denken, der seinen Vertrag beim dortigen HSV (noch) nicht verlängert hat und zudem relativ bezahlbar wäre. Beim Bundesliga-Dino ist man aktuell wohl um jeden Euro dankbar.

Max Eberl und das liebe Geld – ihm wird die Zusammenstellung des Kaders also trotz finanzieller Mittel alles Andere als einfach gemacht. Als aktuell denkbarste Offensivlösung gilt wohl John Guidetti vom Manchester City. Der bislang an Feyenoord Rotterdam verliehene Stürmer erzielte in der vergangenen Spielzeit in 23 Ligaspielen 20 Tore – zudem legte er seinen Kollegen achtmal auf.

Guidetti wohl die wahrscheinlichste Variante – Dahlin bietet Schützling an

Laut Informationen des Kicker hat Sportdirektor Eberl bereits das Gespräch mit den City-Verantwortlichen gesucht. Man will den 20-jährigen Nationalspieler, der aufgrund einer Infektion im Bein nicht im EM-Kader der Schweden steht, für ein Jahr inklusive Kaufoption leihen. Manchester City ziert sich allerdings dem Vernehmen nach. Man traut dem Schweden mittelfristig den Durchbruch zu.

Ein weiterer Schwede wird gemäß Sport1-Informationen mit der Borussia in Verbindung gebracht. Martin Dahlin, ehemaliger Weltklasse-Stürmer der Gladbacher und jetzt Spielerberater, bringt seinen Schützling Ola Toivonen ins Gespräch. Der EM-Teilnehmer spielt aktuell beim PSV Eindhoven. Der 25-jährige Halbstürmer verfügt über eine ordentliche Grundschnelligkeit, einem überdurchschnittlich ausgeprägten Spielverständnis und einer Menge Erfahrung – vor allem auf internationaler Ebene.

Eberl nicht zu beneiden

Max Eberl ist aktuell also alles andere als zu beneiden. In der Offensive brennt es nach dem Abgang von Superstar Marco Reus und in der Abwehr muss, nach dem Transfer Dantes zu den Bayern, ebenfalls dringend nachgebessert werden. Ein Innenverteidiger von europäischem Niveau sollte es sein. Ein Verteidiger, der dazu fähig ist, die Abwehr der Borussia auf dem Niveau der vergangenen Spielzeit zu konservieren.

Alvaro Dominguez still und heimlich von Eberl eingefädelt?

Wie die Radio Marca berichtet, soll Max Eberl den spanischen U23-Innenverteidiger Alvaro Dominguez von Atletico Madrid im Visier haben. Den Informationen zufolge soll Gladbachs Sportdirektor bereits eine Offerte von acht Millionen Euro hinterlegt haben und ein möglicher Transfer bereits weit fortgeschritten sein.

Bis zum 02. Juli will Eberl den Kader soweit beisammenhaben. Dann startet Lucien Favre mit seinem Team in die neue Spielzeit. Welche Protagonisten ihm dabei zur Verfügung stehen, wird sich möglicherweise erst spät entscheiden. Spieler sowie abgebende Vereine wissen um Gladbachs „prallgefülltes“ Konto und werden daher bis zum Äußersten pokern.

Gladbachs Kader hat bereits jetzt Zukunft

Man darf jedoch Vertrauen in die Arbeit Max Eberls haben, denn bislang macht er alles richtig. Ruhe, Beharrlichkeit und ein klarer Blick – in Mönchengladbach kann man auch ohne Namhafte Zugänge bereits jetzt auf einen hochtalentierten Kader zurückgreifen, der für die ein- oder andere Überraschung gut sein wird.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 16. Juni
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