„Nur“ 0:0 – Gladbach auf der Suche nach dem Dosenöffner

Es war ein Fußballnachmittag zum Haare raufen. Ein Spiel mit wenig Glanz und ebenso wenig Gloria, das ab der 60. Minute seinen negativen Höhepunkt ausgerechnet auf der Tribüne fand. Zum wohl ersten Mal in der Saison hallten enttäuschte Pfiffe von Teilen der Zuschauer auf den Platz nieder und das, obwohl das Drehbuch der Partie dem geneigten Fan bereits vorher klar gewesen sein muss …http://www.nach-dem-spiel-ist-vor-dem-spiel.com/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif

Zugegeben: Es war nicht gerade fußballerische Feinkost, was die Protagonisten in Weiß auf dem Platz zelebrierten. Vom oft zitierten „weißen Ballett“ war man ungefähr so weit entfernt wie der rheinische Rivale aus Köln von vereinsinterner Ruhe. Nein, die Borussia zeigte an diesem Nachmittag keinen Zauberfußball. Was die Mannschaft von Trainer Lucien Favre aber an den Tag legte, war weitestgehend aller Ehren wert: Kampf, Leidenschaft und der ständige Versuch die Dinge spielerisch zu lösen.

„Hurrafußball“ aufgrund der taktischen Gegebenheiten beinahe unmöglich

Dass der VfL gegen den SC Freiburg nicht über ein torloses Remis hinaus kam, lag neben einer schwachen Chancenverwertung auch maßgeblich an den von Trainer Streich vortrefflich eingestellten Breisgauern. Auch beim Kellerkind aus dem Schwarzwald hat sich bereits herumgesprochen, wie man der Gladbacher Borussia den Schneid abkaufen kann, bevor deren Offensivmotor heiß läuft. Von der Tribüne perfekt zu erkennen war, das ständige Verschieben der Freiburger gegen den Ball, die hohe Laufbereitschaft und vor allem ein heftiges Komprimieren der Räume im Mittelfeld.

Die Abwehrkette des Sportclubs stand, ähnlich wie das der Borussia, bei eigenem Ballbesitz 40- 45 Meter vor dem eigenen Tor. Diese Maßnahme führte dazu, dass die Gladbacher in der Zentrale keinerlei Räume für ein kreatives Aufbauspiel vorfanden. Das die beiden Protagonisten Nordtveit sowie Neustädter ohnehin wenig, bis nichts zum kreativen Geist der Mannschaft beitragen, ist dabei nur eine Randnotiz.

Gladbachs Spiel über die Außen zu statisch

Marco Reus fehlt es derzeit an Konzentration und Durchschlagskraft (Foto: jdp-fotos.com)

Das einzig erfolgversprechende Stilmittel gegen einen derart kompakt stehenden Gegner kann folgerichtig nur das schnelle Spiel über die Außen sein. Doch weder Juan Arango noch Oscar Wendt konnten nachhaltig dazu beitragen. Wendt, der für einige überraschend ins rechte Mittelfeld beordert wurde, zeigte sich von Beginn an bemüht, aber wenig glücklich in seinen Aktionen – nicht verwunderlich bei derart wenig Einsatzzeit in den letzten Monaten. Einzig der eingewechselte Finne Alexander Ring konnte bei seinem Debüt ein wenig für Belebung auf der rechten Mittelfeldseite sorgen und deutete an, weshalb man ihn im Winter in den Borussia-Park lotste.

Allgemein war Borussias Spiel, trotz einer sichtbaren spielerischen Verbesserung gegenüber der 0:1 Niederlage in Nürnberg, zu defensiv, viel zu statisch und zu langsam angelegt. Bezeichnend, dass Gladbachs Innenverteidiger Dante sowie Martin Stranzl die meisten Ballkontakte während der Partie zu verzeichnen hatten – immer wieder wurde der Ball hinten rum gespielt. Gefährlich wurde es für den SC Freiburg nur, wenn der Ball einmal schnell durch die Reihen lief. Meist endeten die Versuche schneller Kombinationen jedoch bei den zumeist umsichtig agierenden Abwehrspielern der Freiburger oder an der Tatsache, dass kaum eine Aktion der Gladbacher einmal 100 % zu Ende gespielt wurde. Der berühmte letzte Pass – er kam zu selten an. Besonders Marco Reus fehlt es augenscheinlich derzeit an der nötigen Durchschlagskraft sowie Konzentration.

Findet die Borussia den Dosenöffner, nimmt das Spiel einen anderen Verlauf

Hatte gegen den SC Freiburg ein frühes 1:0 auf dem Fuß - Mike Hanke (Foto: jdp-fotos.com)

Gladbachs Suche nach einem „Dosenöffner“ für dieses Spiel hätte schon in der 9. Spielminute beendet sein können. Hätte Mike Hanke in eben dieser Minute eine beinahe hundertprozentige Torchance zum frühen 1:0 genutzt, wäre das Spiel mit Sicherheit in eine völlig andere Richtung verlaufen. Die Elf vom Niederrhein hätte das Spiel spielen können, das sie am besten beherrscht: Kontern par excellence.

Da Fußball jedoch leider selten ein Spiel des Konjunktivs ist, spielte der VfL „nur“ 0:0 gegen gut aufgelegte Freiburger samt ihres starken Rückhalts in Person von Torhüter Oliver Baumann. Insgesamt war es ein leistungsgerechtes Unentschieden – den Gladbachern fehlt es im Moment schlicht und einfach an der Leichtigkeit und der nötigen Präzision in beinahe sämtlichen Aktionen.

Für die Borussia bleibt zu hoffen, dass beide Attribute pünktlich zum so wichtigen Spiel bei Bayer Leverkusen am kommenden Wochenende zurückkehren – denn „passiert“ ist trotz nun drei sieglosen Spielen (noch) nichts. Ein Sieg und Gladbach dürfte zumindest die Qualifikation für die Champions-League-Quali nur noch theoretisch zu nehmen sein.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 11. März
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