Projekt Tolga Cigerci wohl misslungen: Borussia Mönchengladbach steckt in der „Pubertät“

Borussia Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre zu kritisieren fällt schwer. Mehr noch. Eigentlich ist dies, nach den vergangenen eineinhalb Jahren in denen bei der Borussia beinahe alles ausschließlich positiv verlief, geradezu unmöglich. Und doch ist die Aufstellung der Borussia gegen den 1.FC Nürnberg als solche zu kritisieren.

Viel wurde im Vorfeld des Spiels spekuliert. Beginnt Lucien Favre mit Alexander Ring oder Granit Xhaka im offensiven Mittelfeld? Der Romand, der nicht gerade für die Wechselfreudigkeit in Reinkultur steht, brachte keinen von beiden. Stattdessen gab er dem in Düsseldorf 14-Tage zuvor eher mäßig erfolgreichen Tolga Cigerci erneut die Chance als Spielgestalter. „Wir haben in Düsseldorf nicht schlecht gespielt. Ich wollte diese Mannschaft so noch einmal sehen“, gab er vor dem Match gegenüber LigaTotal zu Protokoll.

Cigerci ohne Impulse

Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Der Deutsch-Türke brachte der Offensive nicht die erhofften Impulse. Kaum Initiative, kaum gelungene Aktionen – einzig am Laufradius des 20-Jährigen gab es wenig auszusetzen. Und so korrigierte Favre seinen „Aufstellungsfehler“ bereits in der 30. Spielminute. Da stand es bereits 2:0 für den Gast aus Nürnberg. Die Borussia hatte den Franken bis dato nicht viel entgegenzubringen und drohte hoffnungslos unterzugehen.

Mit dem Positionswechsel – Granit Xhaka wechselte auf die offensivere Position, während Cigerci dessen Part im defensiven Mittelfeld übernahm – erwachte die Elf vom Niederrhein jedoch noch einmal zu neuem Leben. Aus einem 0:2 wurde noch vor der Pause ein 1:2. Aus dem 1:2 sogar ein 2:2. Xhaka war dabei mitten drin statt nur dabei. Der Schweizer initiierte den Anschlusstreffer, indem er Vorlagengeber Patrick Herrmann gekonnt freispielte. Den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer erzielte Borussias möglicherweise neuer „Leader“ dann sogar höchstselbst.

Veränderte Spielanlage

Das Spiel der Borussia aus Mönchengladbach ist ohne Zweifel ein anderes geworden. Dies dürfte mittlerweile auch dem letzten Beobachter und allen Nostalgikern klar geworden sein. Die Spielweise der vergangenen Saison sollte man deshalb schnellstmöglich aus den Köpfen bekommen. „Jeder hat noch diese Konter im Kopf, die wir letztes Jahr gespielt haben. Aber unser Spiel hat sich geändert. Ich denke, wir hatten viele Aktionen nach vorne und mit Patrick Herrmann einen Spieler, der viel über die Flügel gekommen ist“, sagte Max Eberl im Anschluss gegenüber der versammelten Journalistenschar.

Die junge Mannschaft der Borussia erfindet sich neu und steckt dabei gerade in einer schwierigen, geradezu pubertären Phase. Das Positive: Gute Ansätze sind merklich vorhanden, lediglich beim Feinschliff hapert es noch gewaltig. Drei Gegentore gegen den 1. FC Nürnberg, sieben insgesamt in den bisherigen drei Heimspielen – neben der Offensive drückt zudem auch in der Defensive der Schuh.

Auch Favre sieht positive Dinge

Lucien Favre ist derweil nicht wirklich überrascht ob der Probleme seiner Elf.  Der Schweizer sieht eigenem Bekunden nach „jeden Tag im Training, dass einiges noch nicht stimmt“. Nach dem Spiel gegen den Club, als sich bei vielen Beobachtern bereits Ernüchterung breitmachte, bekannte Favre trotz allem „mehrere positive Dinge gesehen zu haben“.

Granit Xhaka dürfte einer der positiven Dinge in der favre’schen Gedankenwelt gewesen sein. Der Schweizer spielte den offensiven Part hervorragend und brachte ordentlichen Schwung ins Spiel seiner Elf. Zudem werden dem Fohlenflüsterer auch die Leistungen von Patrick Herrmann und Luuk de Jong positiv im Gedächtnis geblieben sein. Das Projekt Tolga Cigerci dürfte somit wohl zu den Akten gelegt und als gescheitert bezeichnet werden – zumindest was die Position des „Zehners“ oder „Neuneinhalbers“ angeht. Die Zukunft des Deutsch-Türken kann nur im defensiven liegen.

Nächste Entwicklungsstufe auf Zypern

Nun gilt es den Mund abzuputzen, den Kopf oben zu halten und weiter voranzugehen. Am kommenden Donnerstag beginnt für Borussia Mönchengladbach in der Europa League schon der Ernst des Lebens. Der AEL Limassol erwartet die „pubertären“ Fohlen zum heißen Tanz im Stadion Tsirio. Gut möglich, das dann der 19-jährige Granit Xhaka von Beginn an das Heft seiner Mannschaft in die Hand nehmen wird. Allzu logisch wäre es nach den Erkenntnissen vom vergangenen Wochenende. (Foto: jdp-fotos.com)

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 17. September
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