Same procerdure as every year oder ein Schritt nach vorne?

Nur noch zwei Wochen bis zum ersten Pflichtspiel der Saison 2011/2012. Spätestens mit dem Testspiel gegen den portugiesischen Euro-League-Sieger FC Porto hat der Feinschliff des Teams begonnen. Wer nach der vergangenen, so gerade glücklich zu Ende gegangenen, Spielzeit auf ein verändertes Gesicht der Mannschaft gehofft hat dürfte enttäuscht sein. Möglicherweise wird sich die Startformation des VFL auf lediglich einer Position verändern, da Juan Arango noch bei der Nationalmannschaft weilt…

 

 

„Wir sind nicht reich aber gesund“ – eine ständige Wasserstandsmeldung des Geschäftsführers der Borussia, Stephan Schippers.

 

„Borussia gehört zu den wirtschaftlich gesündesten Vereinen im deutschen Lizenzfußball und durchschreitet seit Jahren das Lizenzierungsverfahren mit absolut blütenweißer Weste“ – Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsleitung, in dessen Aufsichtsrat übrigens ebenfalls Stephan Schippers angehört.

 

 

„Nicht reich aber gesund“. Die Borussia hatte in der vergangenen Saison, trotz mindestens 15-jähriger sportlichen Talfahrt einen Zuschauerschnitt von 45.681 Zuschauer – immerhin ein Top-Ten Platz innerhalb Europas. 27.500 Dauerkarten wurden für die kommende Spielzeit verkauft und Borussias Fans in aller Welt sorgen für hohe Umsatzzahlen der „Marke Borussia“ im Bereich des Merchandising. Mehr als 44.600 zahlende Mitglieder, Fernsehgelder, ein potenter Hauptsponsor (ca. 4,5 Mio. im Jahr), sowie weitere Co. Sponsoren sorgen für weitere Einnahmen.

 

Die Frage darf erlaubt sein: Wohin gehen die Millionen der Borussia? Bekommen diverse ehemalige Mitarbeiter bzw. Trainer auch heute noch Geld? Werden Zahlen und Bilanzen verschönert? Wieso scheint der VFL klammer zu sein als man es eigentlich verlauten lässt?

 

 

Ein Blick zurück

 

 

Borussias Neuverpflichtungen und Abgänge von Bedeutung seit der Saison 2008/2009:

 

Jan-Ingwer Callsen-Bracker 750.000 € in der Saison 2010/2011 ablösefrei abgegeben

 

Gal Albermann 650.000 € in der Saison 2010/2011 für 180.00 € abgegeben

 

Karim Matmour 2.6 Mio € in deaktuellen Transferperiode für ca. 500.000 € abgegeben

 

Michael Bradley 2.5 Mio € soll abgegeben werden. Ablösesumme fraglich

 

Logan Bailly 2.5 Mio € aktuell auf dem Abstellgleis und verliehen (MW: ca. 1 Mio €)

 

Dante 2.5 Mio € Volltreffer und Führungsspieler (MW: ca. 7 Mio €)

 

Raul Bobadilla 4.2 Mio verliehen,nun zurück und fraglich (MW: ca. 2.5 Mio €)

 

Juan Arango 3.6 Mio Stammspieler (MW: ca. 3 Millionen €)

 

Marcel Meeuwis 1.7 Mio in der aktuellen Transferperiode ablösefrei abgegeben

 

Marco Reus 700.000 € Volltreffer und Lebensversicherung (MW: ca. 14 Mio €)

 

Mike Hanke ablösefrei möglicherweise Stammspieler (MW: ca. 1.7 Mio €)

 

Mo Idrissou ablösefrei soll abgegeben werden (MW: ca. 1.7 Mio €)

 

Havard Nordtveit ablösefrei Stammspieler (MW: ca. 2.0 Mio €)

 

Martin Stranzl 800.000 € Stammspieler und Leistungsträger (MW: ca. 3.0 Mio €)

 

Igor de Camargo ca. 4 Mio € Stammspieler (MW: ca. 4.5 Mio €)

 

Bamba Anderson 1.5 Mio € Enttäuschung, neue Chance 2011 (MW: ca. 1 Mio €)

 

Michael Fink 700.000 € war für die Rückrunde ausgeliehen – 331 Minuten Spielzeit

 

Matthew Leckie ablösefrei gute Ansätze, nach U-20 WM erstmal Ersatz


Oscar Wendt ablösefrei scheint Filip Daems vorerst nicht zu verdrängen

 

Lukas Rupp 600.000 € möglicherweise zunächst für Arango im Team

 

Matthias Zimmermann 1 Mio € Wundertüte, zunächst wohl Reservist

 

 

Die Borussia halt in den vergangenen Jahren also durchaus eine Menge in die Mannschaft investiert. Das nun kein Geld für Neuverpflichtungen da ist wird auch an diesen teils hohen Ausgaben liegen, die sich nicht refinanziert haben und bei denen teilweise Geld drauf gelegt wurde. Desweiteren darf man wohl die Zugänge aus dem vergangenen Winter (Hanke, Nordtveit, Stranzl, Fink) nicht als Sommertransferkosmetik bezeichnen, stattdessen wohl eher als Vorgriffe für die laufende Saison werten.

 

 

Guter Trainer – keine Kohle

 

Was hat der VFL seinen Trainern in der jüngeren Vergangenheit nicht alles für Wünsche erfüllt. Michael Frontzeck bekam seine Wunschspieler (Arango,Bobadilla, de Camargo kosteten alleine 11.8 Mio €), unvergessen die Investitionen Dick Advocaats im Winter 2004/2005. Auch nicht unbedeutend die Investitionen 2006/2007 des damaligen Trainers Jupp Heynckes – alleine Federico Insua kostete 4.5 Mio Euro…

 

Nun ist mit Lucien Favre ein Trainer für die Borussia verantwortlich, dem nicht wenige zutrauen den VFL in sportlich bessere Zeiten zu führen. Der plötzliche Wandel von der Schießbude zur zweitbesten Abwehrreihe der Liga, das intelligente Spiel und ein starkes Offensivspiel – alles Dinge die mit der Verpflichtung Favres in Verbindung stehen, obwohl einige Frontzeckanhänger jetzt wieder sagen werden das die Wintertransfers auf seinem „Mist“ gewachsen sind.

 

Nun bekommt dieser Trainer – der wohl fachlich Beste der letzten Jahre –  seine Wünsche nicht erfüllt, da schlichtweg das Geld zu fehlen scheint. Stattdessen scheint Sportdirektor nach dem Credo einzukaufen: Hauptsache billig und talentiert – vielleicht schlägt einer ein wie Marco Reus. Nicht die schlechteste Strategie aber…

 

Wieso belässt man eine Mannschaft, die so gerade dem „Teufel von der Schippe“ gesprungen ist, nahezu identisch? Der Weg mit jungen Talenten ist goldrichtig, dennoch fehlt es der Mannschaft auf mindestens einer Position am gewissen etwas. Das Herz der Mannschaft ist zugleich immernoch der größte Schwachpunkt und könnte ihr im Verlauf der Saison den Hals brechen – das defensive Mittelfeld, die Position des „6ers“. Diese ist mit Nordtveit, Neustädter, Korb und Marx (Bradley mal außen vor gelassen) nicht ausreichend besetzt. Zu wackelig in der Rückwärtsbewegung und vor allem zu unkreativ   – es sei denn Roman Neustädter macht einen riesen Schritt nach vorne. Hier wurde (bislang) nicht nachgebessert.

 

Favre wünscht sich Verstärkungen und lässt durchblicken das es der Borussia an finanziellen Mitteln mangelt. Dennoch zeigt sich der Schweizer genügsam und arbeitet mit dem vorhandenen Personal – was soll er auch anderes machen? So bleibt abzuwarten wie sich die kommende Spielzeit entwickelt. Kommt es wie nahezu jede Saison? Man steckt ziemlich schnell im Tabellenkeller und kommt nicht voran? Der Auftakt mit Bayern, Stuttgart, Wolfsburg sowie Schalke könnte dazu führen. Würde je nach Verlauf ein Lucien Favre im Herbst bereits in Frage gestellt, obwohl er nicht wirklich für die Zusammenstellung des Teams verantwortlich ist und war?

 

Die Hoffnung aller Anhänger des VFL: Mit Lucien Favre geht der Blick endlich nach oben, kann vielleicht das Überraschungsteam der Bundesliga sein. Der Schweizer Coach übernahm die Borussia am 23. Spieltag und holte in 12 Spielen ganze 20 Punkte bei einem Torverhältnis von 18:9. Eine Hochrechnung auf eine ganze Saison würde eben diese positive Überraschung bedeuten – wenn dies denn so einfach ginge. Lucien Favre wird mit dem vorhandenen Personal versuchen intelligenten und attraktiven Fußball zu spielen – bleibt zu hoffen das sich die Stabilität der letzten Saisonspiele 2010/2011 wieder erreichen lässt und der ein oder andere Neuzugang besser einschlägt als erhofft.

 

Was denkst du? Wo steht die Borussia? Was kann Favre mit der Truppe erreichen?

 

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 18. Juli
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