Schluss mit der Selbstgeißelung – „Winning Ugly“ muss auch mal sein

Marc Schmitz aus Mönchengladbach hat für die Leser von „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ seine aktuelle Gefühlslage nach dem Spiel gegen Berlin sowie der öffentlichen „Hetze“ gegen Igor de Camargo zusammengefasst und daraus einen Gastbeitrag erstellt. Für den Inhalt ist ausschließlich Marc verantwortlich …

Eines vorweg: Es war sicher kein Elfmeter – und nein, den Fair-Play Preis wird ein Igor de Camargo ganz sicher auch nicht erwarten dürfen. Aber allen, die sich jetzt lautstark echauffieren sei noch mal ganz kurz das Spiel unserer Borussia auf St.Pauli vor ungefähr einem Jahr in Erinnerung gerufen.

Dort ließ sich ein gewisser Herr Lehmann nach dem Spiel sogar noch für seine „Cleverness“ feiern, weil er eben jenen de Camargo beim Stande von 1:0 für Borussia in einer absolut identischen Situation zu einem (unberechtigten) Platzverweis verholfen hatte.

Die einhellige Meinung damals war: „Nicht nett, aber legitim! Außerdem hat de Camargo doch selbst Schuld, wenn er da so hingeht!“ Borussia spielte 70 Minuten in Unterzahl, verlor das Spiel und um ein Haar sogar die Ligazugehörigkeit. Interessiert hätte es am Ende wohl niemanden, wenn wir abgestiegen wären. Aber jetzt auf einmal ist das Geschrei groß, und es ist teilweise sogar von Betrug die Rede. In meinen Augen einfach nur lächerlich.

Lieber dreckig im Finale als sauber ausgeschieden

Machen wir uns nichts vor: Der Fair-Play Gedanke ist am Ende eine Wunschvorstellung. Nett, wenn er von beiden Seiten praktiziert wird, aber eben auch nur dann. Und wenn wir doch mal ehrlich sind, waren es doch wohl die Berliner, die dieses „schmutzige Spiel“ gestern angezettelt haben – aber darüber verliert man in der Öffentlichkeit kein Wort.

Kein Wort darüber, dass ein Lasogga nach jedem harmlosen Luftzweikampf mit Dante theatralisch zu Boden sank, um sich das Gesicht festzuhalten. Glaubt auch nur irgendjemand, dass er dies nur tat, um einen Freistoß zu bekommen? Nein. Gelb bzw. Gelb-Rot für Dante war das Ziel. Ist das fair? Wohl kaum.

Auch die Aktion von Hubnik, die Auslöser für den Platzverweis war, hatte doch eigentlich nur ein Ziel: Schließlich wusste Hubnik ganz genau, dass de Camargo bereits die gelbe Karte gesehen hatte, und wollte ihn schlicht zu einer Kurzschlussreaktion provozieren, damit de Camargo sich gelb-rot abholt und vom Platz fliegt. Mit Fairness hat auch dies nichts zu tun.

Dass de Camargo im entscheidenden Moment den Spieß halt einfach mal umdreht, und die Berliner die Suppe auszulöffeln haben, die sie selbst aufgetischt haben, kann man ihm beim besten Willen nicht zum Vorwurf machen. Im Gegenteil. Ich freue mich über den Halbfinaleinzug – wie er zustande gekommen ist, interessiert schon nächste Woche niemanden mehr.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 09. Februar
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