Spielerische Leichtigkeit verloren – de Camargo ein Fremdkörper

Borussia Mönchengladbach verliert mit 0:1 in Nürnberg. So weit so gut. Auch als vermeintliches Spitzenteam kann das passieren. Die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, lässt jedoch aufschrecken. Das Team von Trainer Lucien Favre präsentierte sich farblos und fernab jeglicher spielerischer Leichtigkeit, die diese Mannschaft bislang so ausmachte …http://www.nach-dem-spiel-ist-vor-dem-spiel.com/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif

„Wir spielen nicht so gut wie noch vor ein paar Wochen, die Tiefe und die richtige Bewegung fehlt derzeit. Wir müssen weiter hart arbeiten“, befand der Schweizer nach dem Spiel. Ein Satz, der das derzeitige „Problem“ der Mannschaft im Kern trifft. Nein, die Borussia spielt vom Prinzip her nicht schlecht. Immerhin auf knapp 64 % Ballbesitz und leicht bessere Zweikampfwerte als der Gegner kam der VfL beim Gastspiel in Nürnberg – ohne dabei jedoch wirkliche Gefahr auszustrahlen.

Was in Kaiserslautern spätestens in den zweiten 45 Minuten seinen Anfang nahm und im Heimspiel gegen den Hamburger SV geradezu offensichtlich war, fand in Franken die Fortführung: Die Elf vom Niederrhein agierte ideenlos, teilweise kopflos, ohne Esprit und ließ vor allem jegliche Präzision vermissen.

Von einer handfesten Krise zu reden, wäre ob der der vergangen Saison und dem bisher erreichten absolut vermessen. Dennoch kann und muss man von einer augenscheinlich gehemmten Mannschaft sprechen. Doch was hemmt diese bislang so großartig auftrumpfende Mannschaft derart? Ist es das Fehlen Patrick Herrmanns? Sind es die immer wieder aufkeimenden Wechselabsichten der Mannschaftskollegen oder blockieren interne Träume von höheren Zielen das Spiel der Gladbacher?

Gewann nur 20 % seiner Zweikämpfe: Igor de Camargo (Foto: jdp-fotos.com)

In Nürnberg konnte man indes einmal mehr eine handfeste Blockade in Person Igor de Camargos erkennen. Obwohl der Belgier unter der Woche im Boulevard noch Besserung verlauten ließ „Ich will es allen zeigen“, lieferte er in Nürnberg eine mehr als blutleere Leistung ab. Zu langsam, zu behäbig, zu statisch, ohne Präzision in den Aktionen und völlig vom Spiel seiner Mannschaft isoliert – Igor de Camargo gelang wenig bis nichts und stach bei 20 % gewonnen Zweikämpfen lediglich als Fremdkörper im System hervor.

Mannschaftlich geschlossen zur Niederlage

Den wenig inspirierten und wenig erfolgreichen Auftritt der Borussia an Igor de Camargo festzumachen, wäre jedoch zu einfach. Lucien Favres Mannschaft zeigte sich kollektiv schwach. Im vom Schweizer angekündigten Geduldspiel fehlte es der gesamten Truppe an Präzision. Der letzte Pass kam selten bis gar nicht an, zudem mangelte es an schnellen Bewegungen und damit einhergehenden zwingenden Aktionen, die Ballannahme samt Kontrolle dauerte zu lange und obendrein waren größtenteils die Außenpositionen gegen „mauernde“ Franken nicht optimal besetzt.

Marco Reus zog es immer wieder von seiner rechten Außenposition ins Zentrum, wo er sich sichtbar wohler fühlte, ihm jedoch ebenso wenig gelang. Dem Nationalspieler fehlte augenscheinlich die Spritzigkeit für sein Spiel, wirkte in sämtlichen Aktionen lethargisch und fiel teilweise durch eine lustlose Körpersprache auf.

Es fehlen Alternativen

Seit Wochen schwach: Roman Neustädter (Foto: jdp-fotos-com)

Eingreifen oder gar etwas ändern konnte Gladbachs Coach Favre nicht. Der Kader des VfL gibt aus seiner Sicht keine adäquaten Alternativen her. Die Tatsache, dass ein Roman Neustädter eine grottenschlechte Leistung nach der anderen abliefern kann, ohne auf der Bank zu landen und Verteidiger für den schwachen Stürmer de Camargo in die Breche springen müssen, zeugt von Problemen in der Kaderstruktur.

Die Rings, Otsus, Zimmermanns und Cigercis der Mannschaft scheinen kaum eine Rolle zu spielen und lediglich als Lückenfüller eingeplant zu sein. Weshalb erst – und letztgenannter im Winter dann überhaupt den Weg in den Borussia-Park fanden, müssen andere beantworten.

So muss Lucien Favre dringend andere Lösungen und Antworten finden, ansonsten ist der Vergoldung dieser bislang perfekten Spielzeit in Gefahr. In Mönchengladbach täte man gut daran, die möglicherweise innerhalb der Mannschaft vorhandenen Träume zu beenden und wieder zu vollster Konzentration zurückzufinden. Es gilt Platz 4 zu verteidigen – jenem Platz, der die Qualifikation zur Champions-League-Qualifikation bedeuten würde. Damit wäre diese Saison mehr als vergoldet.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 05. März
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