Trainer oder Entertainer – Geld oder LIEBE

Lucien Favre, die Borussia, eine mögliche Vertragsverlängerung und das „Interesse“ des FC Bayern am Schweizer Erfolgscoach. „DäJupp“ hat sich so seine eigenen Gedanken gemacht und diese in eine höchst lesenswerte Email verpackt. Für den „Gänsehaut“ bringenden Inhalt ist ausschließlich „DäJupp“ ( Harald Hofmann) verantwortlich …

Lieber Lucien Favre,

da stehst du nun am Scheideweg und musst, dank deiner unglaublichen Erfolge, dir über deine Zukunft im Klaren werden. Du hättest jetzt die einmalige Chance dir deine zuletzt erarbeitete Reputation in barer Münze auszahlen zulassen und den Lockrufen der Münchener Bayern zu folgen. Dein Duz-Freund und Bettnachbar Rummenigge wird dir sicher auch den Einstieg erleichtern.

Aber vorher solltest du dich erst selbst reflektieren, was du als Trainer willst und wo du deine Ziele siehst. Als Bayern-Trainer kannst du sicher fast regelmäßig Deutscher Meister werden und den DFB-Pokal gewinnen. Die alljährige CL-Teilnahme ist dir gewiss und sicher wirst du, nicht zuletzt wegen der Erfolgsprämien, ein unglaubliches Geld verdienen. Aber was sind solche Titel wert?

Ist es der außergewöhnliche Trainer, oder nicht doch einfach die außergewöhnliche Ansammlung von Stars, die es (fast) jeden Trainer möglich macht Titel zu gewinnen, sofern es ihm gelingt, die Spieler bei Laune zuhalten? Wie groß wäre denn dein Anteil an der Deutschen Meisterschaft 2013?

Ist es nicht vorher schon zig anderen Trainern gelungen, solche Titel zu gewinnen? Spricht man heute noch von denen? Und dir muss auch klar sein, dass Erfolge in München viele Väter haben. Selbstverständlich ist den Ausführungen eines Rummenigge, eines Nerlingers und nicht zuletzt eines Uli Hoeness absolut Folge zu leisten.

In München nennen sie das Teamfähigkeit, ich nenne dies „Arbeiten als Befehlsempfänger“. Und Achtung! Für Krisen ist immer und ausschließlich der Trainer verantwortlich. Von einer Krise spricht man in München nicht erst, wenn ein Spiel verloren wurde. Der Fußball muss traumhaft schön sein, das Training Spaß machen und nie langweilig sein. Du musst genau den Grad finden, Ausnahmekönner wie Ribery bei Laune- und gleichzeitig in Topform zuhalten.

Von deinen fußballspezifischen Vorstellungen musst du Alles und Jeden überzeugen und dennoch immer wieder Kompromisse eingehen. Nicht zuletzt musst du auch die Medien auf deine Seite bringen und das täglich aufs Neue. Unterschätze das bitte nicht. In München ist man viel weniger Trainer und viel mehr Entertainer als anderswo. Viel Einstudieren geht in München sowieso nicht, weil Schweinsteiger und Co ständig auf irgendwelchen Sponsoren-Treffs rumlungern. Sei froh, wenn du 10,12 Spieler auf den Platz hast. Sicher weißt du das alles aber sowieso am Besten. In München wird kein Trainer, sondern ein Entertainer mit Fußballlehrer-Lizenz benötigt.

Wenn ich aus der Ferne Lucien Favre beschreiben müsste, würde ich einen akribischen Arbeiter und einen Trainer beschreiben, der mitunter eigene und auch manchmal für die Öffentlichkeit seltsame Wege beschreitet. Ich sehe dich als Trainer, der eine klare Vorstellung davon hat was auf dem Platz passieren soll und diese Vorstellung verwirklicht wissen will. Zu meiner eigenen aktiven Trainerzeit sprach ich immer vom „perfekten Fußball“, wohlwissend das dieser kaum realisiert werden kann. Unter perfektem Fußball verstehe ich natürlich das meine Vorstellungen perfekt umgesetzt werden.

Ob dieser Fußball jemand anderen gefällt, war für mich zweitrangig. Leider konnte ich mit meinen Vorstellungen bei „großen Vereinen“ kaum erfolgreich arbeiten. Das Vertrauen wurde mir schnell entzogen, wenn z.B. etablierte Kräfte in meinem „System“ keinen Platz mehr fanden. Dabei fehlte oft nur die Bereitschaft dieser Etablierten, sich Neuem unterzuordnen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde es dir in München ähnlich ergehen.

Sollte es dein Verständnis von Trainerarbeit sein, eine eigene „Handschrift“ eine eigene „Philosophie“ eine Art von Fußball, der nur mit dir in Verbindung gebracht werden kann, zu entwickeln und zu perfektionieren darfst du nicht nach München wechseln.  Dann brauchst du einen Verein, der bedingungslos hinter dir steht, dem du langfristig „nach oben“ führst und der mit deiner Vorstellung von Fußball groß wird. Ideal wäre es natürlich, wenn dieser Verein auch die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen könnte.

Der ideale Trainer für mich ist deshalb nie ein Mourinho, sondern immer ein Trainer wie Arsene Wenger. Dieser hat ein Lebenswerk erschaffen, das ihn unvergesslich macht. Er ist einzigartig geworden und wird immer in einem Atemzug mit Arsenal genannt werden. Und das ist das, was ich als Trainer gerne erreicht hätte, aber auch nur ganz, ganz wenige erreichen.  Bei Borussia Mönchengladbach hättest du diese Möglichkeit.

Mit freundlichem Gruß
DäJupp

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 24. Februar
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