Überraschung verhindert: Am Ende zählt das nackte Ergebnis – Favre mahnt dennoch

„Es ist wichtig das wir eine Runde weiter sind“, sagte Lucien Favre nach der Hitzeschlacht auf dem Tivoli. Dabei sah der Schweizer nicht gerade himmelhoch jauchzend aus. Ob dies an den widrigen äußeren Umständen lag oder an der Leistung seiner Mannschaft, war dabei schwierig einzuschätzen. Irgendwo in der Mitte schien die Wahrheit zu liegen…

Lucien Favre hatte Durst nach dem Spiel. Während ihm die vielen Journalisten eifrig mehr oder weniger sinnvolle Fragen stellten, genoss der Romand ein kühles, prickelndes Wasser. In den 90 Minuten zuvor war dazu wenig Zeit. Vor allem die unüblichen Trinkpausen, die Favre als „absolut wichtig für die Gesundheit seiner Spieler“ bezeichnete, nutzte der Coach mehr für taktische Kurzschulungen als für die Aufnahme des kühlen Nass.

Mit Erfolg. Das erlösende 0:1 in der 70. Minute erfolgte unmittelbar nach jenem „Boxenstopp“. Kurios: Torschütze Juan Arango war der wohl einzige Akteur neben Favre, der nicht einen einzigen Schluck aus der Flasche nahm. „Das war heute die richtige Temperatur für Juan. Er wollte nicht mal trinken“, witzelte Sportdirektor Eberl nach dem Spiel.

Die richtige Temperatur für den wohl besten Mann auf dem Platz – für die Borussia als Team nicht unbedingt. „Es war unnormal heiß“, gab Havard Nordtveit zu Protokoll, um hinterher anzufügen: „Als Norweger bin ich auch im Sommer Werte etwas mehr als 20 Grad gewohnt.“

37 Grad zeigte das Thermometer am Aachener Tivoli – als Entschuldigung für das teilweise schleppend verlaufende Spiel wollte Lucien Favre dies aber nicht gelten lassen. „Wir hatten zu viele unnötige Ballverluste“, resümierte er. Zudem fehlte es dem Schweizer an schnellen sowie richtigen Laufwegen auf dem Platz: „Wir waren technisch nicht gut und hatten zu wenig schnelle Bewegung in die Tiefe.

Wenn Favre dieses Thema anspricht, moniert er die Laufwege zwischen den Linien. Zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Die waren in Aachen, wie bereits in einigen Vorbereitungsspielen, zu statisch und für den Gegner zu berechenbar. Dennoch fand der Romand auch lobende Worte für sein Team: „Es war okay. Wir haben die Geduld behalten und eine ordentliche Mannschaftsleistung gezeigt. Vor allem in der Defensive haben wir fast nichts zugelassen.“

Für den kommenden Dienstag erwartet Favre allerdings eine gehörige Steigerung. „Wir dürfen gegen Kiew nicht so viele Fehler machen, denn Kiew ist individuell stark besetzt und bestraft das sofort. Vor allem müssen wir auch unsere Chancen nutzen“, sagte der Schweizer. „So viele wie gegen Aachen werden wir nicht bekommen.“

Bis dahin fordert Favre lediglich die Ersatzspieler. Die, die in Aachen eine aus Borussen-Sicht negative Überraschung verhinderten, werden bis dahin ausschließlich regenerierend sowie leicht trainieren und den Gegner im Videostudium genauestens kennenlernen.

Den Blick auf das erste Europacup-Spiel seit 16 Jahren hatten nach dem Spiel am Tivoli bereits alle Borussen. „Es wird ein völlig anderes Spiel gegen Kiew“, sagte Dauerläufer Granit Xhaka. „Wir wollen alle in die Gruppenphase und werden dafür 90 Minuten alles geben.“

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 19. August
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