Vom Betzebub zum Fohlen – eine persönliche Geschichte

Während der Sommerpause haben einige Leser von „Nach dem Spiel“ ihre Geschichte zur Borussia auf diesem Blog veröffentlicht. Nach Euren vielen Nachfragen per Email und Facebook bezüglich meiner Geschichte, habe ich mich dazu entschlossen diese nun auch einmal preiszugeben. Doch Achtung: Es beginnt anders, als viele denken werden …

Ich bin Björn, bin 8 Jahre alt und bin Fan vom 1.FC Kaiserslautern. So müsste dieser Text anfangen, wenn ich ihn 1991 verfasst hätte. Ja ich war „Fan“ vom FCK. Fan in Anführungszeichen, da ich damals noch nicht wirklich Ahnung von Fußball hatte. Aber hey, die Lauterer waren frischgebackener Deutscher Meister und hatten so ein tolles Maskottchen.

Ja, ich gebe es zu: Ich hatte so einen kleinen Betze-Teufel – aus heutiger Sicht unfassbar. Was mich aber im Nachhinein tröstet: Hätte ich damals auch nur 5 Spieler beim Namen nennen sollen, hätte ich kleiner Bub erst einmal in meinem Panini-Album spicken müssen.  „Fan“ vom 1.FC Kaiserslautern. Meine „Liebe“ hielt Gott sei Dank nicht lange. Der 07.04.1992 sollte nicht nur für einen gewissen Uwe Kamps zu ein besonderer Tag werden – auch für mich wurde dieser Tag, dieser ganz spezielle Abend zu einem Schicksal…

Für alle ganz jungen Leser: Das war mein Panini-Album

 07. April 92 

„Klein Björn“ ist mit seiner Fußballmannschaft in der Sportschule Hachen – jeden Tag Fußball kicken und viel darüber lernen. Hatte ich ja auch nötig als Fan des FC Kaiserslautern, denn noch spielte ich auf dem Feld als Stefan Kuntz oder Bernhard Winkler. Am Abend stieg in Mönchengladbach das DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Borussia und Bayer Leverkusen, für das eigens zum „Rudelgucken“ eine Großbildleinwand organisiert wurde. Public-Viewing gab es also auch schon damals .

Hallo? So was gucke ich mir doch nicht an. Mein Trainer hatte nur den einen Satz parat: „Da kannst du noch was lernen von der Borussia und der Bökelberg wird beben“. Von Wegen Bökelberg. Es gibt nur einen Berg. BETZENBERG. Ich habe mir das Spiel zwecks fehlender Alternativen dann doch angesehen. Wer will schon gerne früh ins Bett während alle anderen Fußball gucken?!

Ich war fasziniert: Ein Spiel auf einer Großbildleinwand. Doch was mich noch viel mehr in seinen Bann zog, war die Atmosphäre auf diesem Bökelberg. Ein Frühlingsabend, Flutlicht, eine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft und unglaublich leidenschaftliche Fans. Wahnsinn. Mir gefiel das.  0:0 zur Halbzeit – die Anspannung im Raum war irgendwie greifbar, war elektrisierend.

51. Spielminute: das 0:1 durch einen gewissen Ulf Kirsten. Ist halt nicht der FCK, dachte ich. Dennoch – irgendetwas elektrisierte auch mich an diesem Spiel.  Nur 9 Minuten später: Der verdiente Ausgleich durch Thomas Kastenmaier. Dieses Tor, dieser Jubel auf dem Bökelberg, der Jubel in der Sportschule. Wahnsinn. Ja ich freute mich, weil alle sich freuten. Alle fieberten mit dieser Borussia. Fortan auch ich.

Verlängerung

Bökelberg. 30.000 Zuschauer, deren Nerven blank lagen. Das Halbfinale ging in die Verlängerung. Ein Angriff der Borussia, jemand sprang auf und nahm mir die Sicht. Alle schrien und jubelten. Tor, Tor, Tor! 95. Minute Hans-Jörg Criens 2:1 für Mönchengladbach. Hans-Jörg WER? Egal. Für mich gab es ohnehin nur Thomas Kastenmaier. Der hatte es mir angetan mit seiner Spielweise und seinen Freistößen. Für den kleinen Björn eine „Lichtgestalt“, ein Gott.

Halbfinale. Das Finale war nicht mehr weit. Doch 1. Minute vor Schluss der Verlängerung machte Andreas Thom mit seinem Ausgleich zum 2:2 alles zunichte. Alles? Keineswegs. Nachdem sich die Fans auf dem Bökelberg kurz schüttelten, feuerten sie ihre Jungs an, als gäbe es kein Morgen. Ebenso die ganzen Gladbacher in der Sportschule. Wahnsinn. Ich schrie: „VFL … VFL … VFL.“

Es kam zum allseits bekannten, höchst dramatischen Elfmeterschießen, indem Borussias Torhüter Uwe Kamps unfassbare 4 Elfmeter hielt. Die Pfiffe gegen die gegnerischen Schützen vor der Nordkurve, die „Uwe…Uwe…“- Rufe – es ist als hätte ich sie heute noch in den Ohren. Die Borussia gewann das Spiel und mein Herz. In der Nacht konnte und wollte ich nicht schlafen. Mein Mund plapperte immerzu einen Namen: Kastenmaier. Ich wollte alles über ihn wissen. Und über den Bökelberg. Ich wollte dorthin. Ganz schnell.

 Das Video zum klicken: 

Elfmeterschießen Borussia : Leverkusen Pokalhalbfinale 92

Vom nächsten Tag an spielte ich nicht mehr als Kuntz oder Winkler. Ich war Kastenmaier. Diese „Lichtgestalt“ aus Mönchengladbach, die für mich damals so etwas wie ein Messi war. Kastenmaier hier, Kastenmaier da – von nun an hatte ich einen Namen weg. Überall wurde ich nur noch Kastenmaier genannt, selbst wenn mein Trainer mir Anweisungen auf dem Spielfeld gab. Er brüllte nicht mehr meinen Namen, sondern Kastenmaier. Ich glaube das hat so manchen Gegenspieler enorm verunsichert 😉

Mein Held von damals, mit meinem ersten Trikot der Borussia

 Das erste Mal

Es sollte noch dauern, bis ich den Bökelberg live sehen sollte. Am 09.10.1993 erbarme sich mein Onkel (Bayern-Fan) und fuhr mit mir zum Spiel gegen den MSV Duisburg. 30.000 Zuschauer, ein gewisser Manfred Amarell als Schiedsrichter und eine wahnsinnige Stimmung – ich war endlich da, endlich am Bökelberg. Alleine die Anfahrt, die Sicht von weitem auf das Flutlicht, der Anstieg „auf den Berg“, ein Wahnsinn. Oft denke ich heute noch an das Gefühl von damals, als ich zum aller ersten Mal die Treppen des Bökelbergs betrat und mir diese außergewöhnliche Atmosphäre ins Gesicht wehte. Gänsehaut pur – auch heute noch.

Auf der Haupttribüne hatte ich beste Sicht auf ein tolles 4:1 gegen die „Zebras“. Die Tore: Bachirou Salou, Peter Wynhoff und ein Doppelpack von Martin Dahlin. Doch mein Liebling blieb Thomas Kastenmaier – zumindest, bis ein gewisser Karl-Heinz Pflipsen die Fußballschuhe für den VFL schnürte …


 


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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 09. Oktober
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