„Von Spiel zu Spiel“ vom Kölner Dom zur Sagrada Família

Es sollte das Top-Spiel des Spieltags sein. Die Überraschungsmannschaft aus Mönchengladbach gegen die spielstarken Schalker von Trainer Huub Stevens. Der Vierte der Bundesligatabelle, gegen den Dritten – ein heißes Spiel auf Augenhöhe.  Das, das Spiel den Charakter eines Testspiels entwickeln sollte, war im Vorfeld kaum zu erahnen …

Doch diesen Eindruck musste man zwangsläufig gewinnen, da sich von Angang an zwei Teams duellierten, dessen Leistungen an diesem Abend unterschiedlicher nicht hätten sein können. „Borussia furios“ gegen lauf- und spielmüde Schalker oder einfach „das weiße Ballett vom Niederrhein“ gegen den Schalker Kreisel, der sich an diesem Abend partout nicht drehen wollte.

Was die Gladbacher insbesondere in den ersten 35 Minuten der Partie zeigten, ließ die etwa 50.000 Fans der Heimelf vor Verzückung regelrecht auftauen. Bei Temperaturen von -5 Grad kam nicht nur bei Teilen der Nordkurve, die eine kleine Choreo zum Thema „Ob Bali und Hawaii, wir sind immer mit dabei“ vorbereitet hatte, Frühlingsgefühle auf, sondern auch im restlichen weiten Rund.

Bali, Hawaii – nächster Halt Barcelona?!

Große Teile der hartgesottensten Fangruppierungen der Borussia findet man wirklich überall. Und das zahlreich. Mit Sicherheit wäre die Mannschaft von Trainer Lucien Favre auch bei einem Gastspiel in Bali oder auf Hawaii nicht alleine. Egal ob du Pizza, Sushi oder ‘nen Burger isst – die Seele brennt. So wird es in einem Fanlied zitiert und ist in der Realität tatsächlich kaum anders. Realistischer als Bali und Hawaii erscheint derzeit jedoch ein Städtetrip nach Barcelona. Nicht zur Formel 1, nicht zum Shoppen auf den Ramblas und auch nicht zum Sightseeing der Sagrada Família Antonio Gaudís.

Nein, die Borussia hat die realistische Chance in der kommenden Spielzeit in Barcelona Fußball zu spielen – in der Champions-League. Die Sagrada Família als Abwechslung zum Kölner Dom. Mit nun 43 Punkten auf der Habenseite und 10 Zähler Vorsprung auf Euro-League-Platz 5, erscheint dies nicht mehr unrealistisch.

Das, was Borussia jedenfalls in den ersten 35 Minuten des Spiels gegen Schalke 04 zeigte, war ein bisschen Barcelona. Während die Katalanen ihr Spiel bei Osasuna mit 2:3 verloren, zeigte die „Elf vom Niederrhein“ ein nahezu perfektes Spiel. Eine Spielweise, wie sie sonst nur der große FC Barcelona zelebriert.

Eine derart strukturierte sowie disziplinierte Mannschaft hat man in Mönchengladbach noch nicht bestaunen dürfen. Selbst die Borussia der „goldenen Siebziger“, konnte in der Gesamtheit nicht derart überzeugen, wohlwissend, dass beide Teams aufgrund verschiedener Spielweisen und Fußballjahrzehnte ohnehin nicht vergleichbar sind.

Unglaubliche Ballstafetten

In der Defensive wie so oft in dieser Saison unüberwindbar, zeigte der VfL vor allem in der Offensive reihenweise sehenswerte sowie beinahe zauberhaft anmutende Spielzüge. Als Paradebeispiel ist das 2:0 durch Mike Hanke zu nennen, als dieser, durch einen doppelten Doppelpass mit Patrick Herrmann und dem an diesem Tag glänzend aufgelegten Juan Arango, zauberhaft freigespielt wurde. Wunderschön anzusehen und gnadenlos effektiv – der Borussia ist derzeit wirklich alles zuzutrauen.

Lucien Favre wird der Mannschaft weiterhin die Denkweise „Von Spiel zu Spiel“ einimpfen und dennoch im Hinterkopf haben, welch historische Chance sich bis zum Ender der Spielzeit bietet. In der Meisterschaftsfrage könnten die Gladbacher bis zum Ende ein Wörtchen mitreden sowie gegen die Bayern nach 1995 wieder einmal das Pokalfinale in Berlin erreichen, wenn man weiterhin dieses unglaublich hohe Niveau zu halten in der Lage ist.

An einen möglichen Einbruch ist derzeit jedenfalls nicht zu denken. Die Borussia im Frühjahr 2012 ist eher spielerisch noch stärker und effektiver einzuordnen als noch in der Hinrunde. Zu sehen war dies unter anderem an den unglaublich hohen Positionswechseln gegen die Schalker. Juan Arango, Patrick Herrmann, Marco Reus und vor allem Mike Hanke variierten ständig, was in der Schalker Defensive immer wieder zu Missverständnissen  sowie mannschaftsinternen Diskussionen auf dem Platz führte.

Borussia Mönchengladbach ist variantenreich, variabel, polyvalent und nur sehr schwer auszurechnen. Was die Schalker am vergangenen Samstag erlebten, werden noch einige Gegner in der Rückrunde zu spüren bekommen. Mit den starken Gladbachern sollte man also so langsam ernsthaft rechnen …

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 13. Februar
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