Weiter warten auf „Borussia Barcelona“ – Gladbachs Spiel stockt im Aufbau

Aachen, Kiew, Hoffenheim, Kiew, Düsseldorf – im Pokal weiter, in der Champions-League-Quali unverdient sowie unglücklich ausgeschieden und in der Liga vier Punkte aus zwei Spielen. Borussias Ausbeute aus den ersten fünf Pflichtspielen liest sich ordentlich. Und doch ist die Mannschaft von Trainer Lucien Favre noch nicht so richtig aus den Startlöchern gekommen…

„Es fehlt die richtige Bewegung. Die Geschwindigkeit in die Tiefe“, moniert der Schweizer seit Wochen. Ein „Tatbestand“, der noch immer höchst aktuell ist. Das Spiel der Borussia wirkt gehemmt. Während die Abwehr ganz ordentlich steht und mit zaghafter Initiative zum Spielaufbau beiträgt, befindet sich der Ort der Hemmnis im Mittelfeld der Fohlen. „Wenn die Seele krank ist, krankt auch der Körper“, sagt man in der Medizin.

Fehler im Spielaufbau

Borussias Seele, das Mittelfeld, kommt aktuell ziemlich kränklich daher. Bei Havard Nordtveit, Granit Xhaka, Patrick Herrmann/Alex Ring läuft es noch nicht rund. Guten Aktionen folgen teils gravierende und unerklärliche Fehler. Gladbachs Spiel lahmt derzeit aufgrund der vielen, vielen Fehler im Spielaufbau. Die Elf von Lucien Favre ist emsig, fleißig und teilweise sogar recht inspiriert – einzig die Ausführung der Aktionen ist meist mit argen Mängeln behaftet.

So kam auch das 0:0 bei eigentlich völlig harmlosen und zeitweise überforderten Düsseldorfern zustande. Neben den allwöchentlichen Fehlern in der Ballverteilung gesellte sich zudem ein gebrauchter Tag bei Juan Arango. Gladbachs neuer Lebensversicherung wollte an diesem Tag nicht alles gelingen. Der Venezolaner, der trotz allem mal wieder der Dreh- und Angelpunkt seines Teams war, zeigte ungewohnt viele Fehlpässe und nur wenige erfolgreiche Aktionen.

De Jong bekommt keine Zuspiele

Borussia spielt ordentlich. Kein Zweifel. Zumindest bis zum letzten Drittel der Wiese. Dort angekommen scheint die Mannschaft allerdings gehemmt, unkreativ und verlangsamt. Das atemberaubende Spiel der letzten Saison ist aktuell nicht mehr möglich. „Wir kombinieren teilweise gut, doch am Ende stockt es und die Räume sind dann wieder eng“, sagte Sturmhoffnung Luuk de Jong und mäkelte damit erstmals am Spiel seiner Mannschaft.

Mit Recht. Er ist ohne die nötigen Zuspiele aktuell der Leittragende. Der 12-Millionen-Einkauf wird vor allem medial beinahe ausschließlich an Toren gemessen. Und da klafft aktuell ein Loch. Eine Null. 5 Pflichtspiele – kein Tor. Auch in der Vorbereitung traf der Niederländer kein einziges Mal in die Maschen. Die Luft wird gefühlt dünner für de Jong. Verein und Mitspieler tun gut daran, den stets aufopferungsvoll ackernden Stürmer zu schützen und aus der Schussbahn zu nehmen. „Egal was ein Spieler kostet, das dauert seine Zeit bis sie sich an das Tempo, unsere Spielweise und unser System gewöhnen. Das geht einfach nicht von heute auf morgen. Der Verein gibt jeden einzelnen Spieler diese Zeit“, gab Führungsspieler Martin Stranzl zu Protokoll.

Auch wenn es platt klingt: Gladbach braucht Zeit

Zeit benötigt augenscheinlich das gesamte Gebilde Borussia. Wohin der Weg führen wird, ist noch nicht abzusehen. „Niemand kann in die Zukunft schauen“, sagte Lucien Favre mit Blick auf die kommenden Aufgaben und möglichen Formationen. Ein Blick in die Vergangenheit macht indes Hoffnung. „Borussia Barcelona“ wurde erst nach dem 10. Spieltag „geboren“. Zudem hätte die Mannschaft des Schweizers in der vergangenen Spielzeit ein solches Spiel wie in Düsseldorf verloren.

Man erinnere sich an die Spiele in Nürnberg und in Augsburg. Anders als damals dominierte die Borussia in Düsseldorf 60 Minuten lang das Geschehen beinahe nach Belieben und agierte zu keiner Zeit kopflos. In die Zukunft kann niemand schauen – Lucien Favre wird die aktuellen Probleme jedoch ziemlich sicher wieder in den Griff bekommen. Nun heißt es in der Länderspielpause erst einmal „runterkommen“ und sich neu zu sammeln. Die kommenden (englischen) Wochen geben die neue Richtung des VfL vor. (Foto: jdp-fotos.com)

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 03. September
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