21 Punkte: Warum die Borussia plötzlich wieder mitten drin ist statt nur dabei

Die Elf vom Niederrhein ist zu einer verschworenen Einheit gereift. Ein Umstand, der nun Früchte in Form von Punkten trägt...

(Foto: Imago)

In der vergangenen Woche ging der Blick der Borussia noch nach unten, heute, nur wenige Tage später, ist die Mannschaft von Trainer Lucien Favre nach dem Sieg gegen den VfL Wolfsburg und dem Remis beim FC Schalke 04 durchaus im Soll. Mit nunmehr 21 Punkten nach 15 Spielen befinden sind die Fohlen im ruhigen Fahrwasser der Liga – in Schlagdistanz zu den Europa-League-Plätzen. Doch was sind die Gründe für die sportlich passable Situation trotz des weiterhin vorhandenen Kreativvakuums und der fehlenden Spielkultur?

Defensivkultur zurück in den Köpfen

0:5 in Dortmund und 0:4 in Bremen – Gladbachs große Stärke, das Defensivspiel das die Mannschaft in der vergangenen Spielzeit beinahe unbesiegbar machte, war zwischenzeitlich abhandengekommen. Schoss der Gegner letzte Saison im Durchschnitt weniger als ein Tor pro Partie (24 Gegentore in 34 Ligaspielen), musste Torhüter Marc-André ter Stegen den Ball in der aktuellen Spielzeit bereits 25 Mal aus dem Tornetz holen.

Seit einigen Wochen zeigt sich der Defensivverbund allerdings stark verbessert und das Spiel der Borussia wesentlich kompakter. Die Mannschaft schaltet bei gegnerischem Ballbesitz wesentlich schneller um und spielt konzentrierter gegen den Ball. Die Garanten dabei: Martin Stranzl in der Form seines Lebens, Neuzugang Alvaro Dominguez, der seiner angedachte Rolle als Abwehrchef immer besser gerecht wird und Havard Nordtveit. Der junge Norweger zeigt auf der Position des „Sechsers“ aktuell starke Leistungen – offensiv wie defensiv. Der 22-Jährige profitiert zweifellos wie kein zweiter von der defensiven Ruhe eines Thorben Marx.

Mannschaftsgeist wieder gefunden

Borussia Mönchengladbachs Abgänge waren nicht nur sportlich ein Aderlass. Auch stimmungstechnisch sowie charakterlich waren Marco Reus, Dante und Roman Neustädter „echte Typen“. Gerade als es für die Truppe von Trainer Lucien Favre nicht so gut lief, neigte man dazu sich selbst zu zerfleischen. Man erinnere sich an die Szene unmittelbar nach dem Halbzeitpfiff des Spiels gegen Fenerbahce Istanbul. Damals gingen sich Keeper Marc-André ter Stegen und Neuzugang Granit Xhaka gegenseitig an die Wäsche. Zudem merkte man dem Spiel auf dem Platz an, das es innerhalb des Teams negative Reibungspunkte gab.

Doch auch diese Phase scheint vorbei. Vor allem dank Führungsspieler Martin Stranzl, der intern sowie auch öffentlich den mahnenden Finger hob, hat sich die Mannschaft zusammengerafft und ist letztlich näher zusammengerückt. Das Ergebnis sieht man auf dem Platz: Die Mannschaft tritt als eben solche auf und macht einen mittlerweile mehr als gefestigten Eindruck.

Aufgeben ist keine Option

Es gab Partien in dieser Saison, in der sich die Spieler der Borussia bereits frühzeitig aufgaben. Die hohen Niederlagen gegen Dortmund und Bremen bilden da nur die Spitze des Eisbergs. Doch seitdem die Chemie innerhalb der Mannschaft wieder intakt zu sein scheint, wird auch der Kampf auf dem Platz wieder zu 100 Prozent angenommen. Die Selbstaufgabe scheint für den VfL selbst in schwierigen Phasen und an schlechten Tagen keine Lösung zu sein. So entschied die Borussia bereits einige schier aussichtslose oder knifflige Ausgangssituationen für sich. Der 2:0-Sieg gegen Limassol, der trotz schwacher Leistung den Einzug in die nächste Runde der Europa League bedeutete, der nicht mehr für möglich gehaltene 3:2-Auswärtserfolg bei Hannover 96, das 4:2 bei Greuther Fürth nach zweimaligem Rückstand oder das späte 1:1 beim FC Augsburg –genau jene Partien sind ein Zeichen für den unbändigen Willen der Schützlinge von Trainer Lucien Favre.

So kommt es nicht von ungefähr, dass Borussia Mönchengladbach nach der ersten Saisonhälfte mehr als glimpflich davonkommen wird. Es ist das Ergebnis harter Arbeit und der Akribie eines Trainers, der zu keiner Zeit den Blick für die Realität verloren hat. Lucien Favre hat bereits vor der Saison von einer komplizierten Spielzeit gewarnt. Er hat recht behalten und dennoch seine Mannschaft auf Kurs gehalten. Mainz und München heißen die nächsten Stationen bis zur Winterpause – vielleicht kommt ja noch das ein oder andere erkämpfte Pünktchen dazu. Für 2013 könnte das noch sehr wichtig werden.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 04. Dezember
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