Angriff ist die beste Verteidigung: Ist Oscar Wendt der bessere Daems?

Lucien Favre hat ein echtes Luxusproblem. Und das auf einer Position, auf der bei den meisten Bundesliga-Teams eher erhöhter Nachbesserungsbedarf besteht als ein Überangebot. Der Schweizer kann sich aktuell glücklich schätzen auf der linken Abwehrseite mit Oscar Wendt und Filip Daems über zwei qualitativ ebenso hochwertig wie gleichwertige Spieler verfügen zu können.

Der 34-jährige Belgier Daems in unbestritten einer der Leitwölfe im Team der Borussia. Nicht umsonst ist er offiziell der unangefochtene Kapitän seiner Mannschaft. Auf den im Januar 2005 an den Niederrhein gewechselten Daems kann man sich immer verlassen. Sein Wort hat auf und neben dem Platz Gewicht.

206 Pflichtspiele absolvierte der Linksverteidiger bislang für das Team von Borussia Mönchengladbach – in der Hinrunde wurde der Dauerbrenner jedoch von einer hartnäckigen Bauchmuskelzerrung und anschließenden Adduktorenbeschwerden jäh gestoppt. So kam Daems auf lediglich 15 Pflichtspieleinsätze (neun Bundesligapartien). Ein Umstand, den sein Kontrahent Oscar Wendt dazu nutzte, am Belgier vorbeizuziehen.

Wendt ein Tick offensiver als Daems

Nicht viele Beobachter trauten dem 27-jährigen Schweden zu, den bis dato gesetzten Belgier nachhaltig zu verdrängen. Doch genau dies scheint in den Wochen der verletzungsbedingten Abwesenheit von Filip Daems erfolgt zu sein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten Wendts vor allem in der Defensive hat Lucien Favre durchaus seinen Gefallen am ehemaligen Nationalspieler gefunden. Vor allem dessen Polyvalenz dürfte dem Schweizer gefallen.

Wendt interpretiert die Position des linken Verteidigers weitaus offensiver als Konkurrent Daems. Allen voran im Spiel bei der TSG 1899 Hoffenheim sah man den Schweden häufig in der Vorwärtsbewegung. Dabei schlug er immer wieder teils vielversprechende Flanken. Dass die alte Fußballweisheit „Angriff ist die beste Verteidigung“ auch noch in Zeiten des „neuen modernen“ Fußballs Bestand hat, bewies Wendt dabei eindringlich. Borussias aktueller Linksverteidiger kaschierte seine vorhandenen defensiven Schwächen, indem er seinen Gegenspieler permanent beschäftigte und so gar nicht erst am Offensivspiel seiner Mannschaft teilnehmen ließ.

Daems muss mit der Bank vorliebnehmen

Ist Oscar Wendt deshalb nun gesetzt? Es spricht vieles dafür. Der Schwede erscheint allen voran im leicht veränderten Spielsystem derzeit der „bessere Daems“ zu sein. Setzt Lucien Favre auf lange Sicht ein 4-3-3 durch, kommt er am offensivstarken Wendt nicht vorbei. Filip Daems wird demnach vorerst mit der Ersatzbank vorliebnehmen müssen. Eine Situation die der Belgier, sofern er fit ist, so nicht kennt. Alleine deshalb steht eine Verlängerung des auslaufenden Vertrages noch in den Sternen.

Allerdings stehen die Zeichen dennoch auf eine baldige Verlängerung. „Filip ist für uns ein wichtiger Spieler, er ist seit 2005 im Klub, er ist Kapitän, er ist im Mannschaftsrat, er ist der dienstälteste Profi bei uns“, ließ Sportdirektor Max Eberl gegenüber der WZ durchblicken, auch in der Zukunft mit Daems zusammenarbeiten zu wollen.  Der Belgier ließ unterdessen seinen Gefühlen freien Lauf. „Das ist nicht leicht gewesen“, sagte er über seine aktuelle Situation, während Kontrahent Wendt gegen Hoffenheim 90. Minuten durchspielen durfte und ergänzte: „Das ist mir bei Borussia nicht oft passiert, dass ich fit bin und trotzdem nur auf der Bank gesessen habe.“

„Ich will wieder spielen“

In den kommenden Wochen dürfte Daems den Konkurrenzkampf um die Position auf der linken Abwehrseite noch einmal verstärken. Wer den Belgier kennt, der weiß, dass er dieses Unterfangen sportlich und im Interesse der Mannschaft angehen wird. Dennoch hat der 34-Jährige ein klares Ziel vor Augen, wenn er sagt: „Ich will wieder spielen.“ Ob ihm dies noch einmal gelingen wird, werden die kommenden Wochen zeigen. Aktuell ist Oscar Wendt der bessere Daems – mit einer Fußlänge Vorsprung.

Deine Meinung: Oscar Wendt oder Filip Daems – wer sollte Favres erste Wahl sein?

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 23. Januar
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