Borussia eiskalt: Gladbach mausert sich langsam zur Spitzenmannschaft

Samstagnachmittag im Borussia-Park. Das Stadion glich bei -4 Grad einem Eisschrank. Eiskalt waren neben den Temperauren auch die Schützlinge von Trainer Lucien Favre. 14 Minuten waren gespielt, als sich so manch einer der durchgefrorenen Zuschauer auf den Tribünen ungläubig die Augen gerieben haben dürfte. Mit 2:0 führte eine bis dato wie in einem Rausch aufspielende Fohlen-Elf gegen völlig überforderte Düsseldorfer.

Bis zu jenem 2:0 war das Spiel der Borussia eine wahre Augenweide. Schnell sowie ballsicher im Spielaufbau, dazu unwahrscheinlich fleißig und stark in der Balleroberung – es dürfte die beste Viertelstunde der gesamten Saison gewesen sein. „Wir waren aktiv, haben dem Gegner kaum Luft zum Atmen gelassen und zu Fehlern gezwungen“, analysierte Sportdirektor Max Eberl in der Mixed-Zone. Oscar Wendt, Gladbachs wohl bester Feldspieler an diesem Nachmittag, fand ähnlich lobende Worte: „Alles war gut in der ersten Halbzeit. Wir waren stark bei Ballbesitz und in der Rückeroberung nach Ballverlust.“

Favre findet auch kritische Worte

In der Tat war in der ersten Halbzeit beinahe alles Gold, was da glänzte. Und das, obwohl die Elf vom Niederrhein nach dem 2:0 mindestens einen Gang runterschaltete. Weshalb die Borussia das Spiel nach der Anfangsviertelstunde derart entschleunigte, dürfte Lucien Favre nicht gänzlich gefallen haben. „Wir haben in den ersten 20 Minuten sehr gut angefangen, waren sehr aktiv, haben die Lücken gefunden und sind schnell 2:0 in Führung gegangen. Danach hat meine Mannschaft aber leider ein wenig die Konzentration verloren und zu kompliziert gespielt“, gab sich der Schweizer nach dem Spiel dementsprechend kritisch.

Seine Spieler schlugen in die gleiche Kerbe. So analysierte der emsige Luuk de Jong treffend: „Nach den ersten zwanzig Minuten haben wir nicht mehr so weitergemacht, wie wir angefangen haben. Nach dem 2:0 hatte ich das Gefühl, dass wir mehr und mehr nach hinten gehen. Das darf nicht passieren.“ Dass so etwas dennoch passieren kann, dafür zeigte Max Eberl derweil vollstes Verständnis: „Man kann nicht erwarten, dass du 45 Minuten lang aktiv nach vorne verteidigst. Das ist unmöglich im Fußball.“

Borussia hat eine enorme Qualität

Schwamm drüber wird man sich im Niederrhein sagen. Wären da nicht teils vogelwilde Minuten in der zweiten Halbzeit gewesen. Allen voran nach dem Anschlusstreffer durch Schahin (HE in der 50. Min) verlor die Borussia unverständlicherweise für einige Minuten völlig den Faden und den Zugriff im Mittelfelf. Dass die Mannschaft von Lucien Favre dennoch wieder zurück ins Spiel fand und einzig aufgrund der mangelnden Chancenverwertung einen Kantersieg verpasste, zeugt von einer außerordentlich hohen Qualität. Eine Qualität, die Borussia Mönchengladbach langsam aber sicher zu einer Spitzenmannschaft reifen lässt.

Neun Pflichtspiele ohne Niederlage (sieben in der Liga) – ist die Bilanz einer solchen und eine, die den Blick nach oben zulässt. Während die Plätze eins bis drei für die Bayern, Leverkusen und Dortmund reserviert sein dürften, kann man in Gladbach mit Fug und Recht die Ränge vier bis sechs ins Visier nehmen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Mannschaft vor allem spielerisch immer mehr zu überzeugen weiß. Die Zuarbeiten für die beiden Tore gegen Düsseldorf waren diesbezüglich klassische Paradebeispiele. Der bärenstarke Flankenlauf von Oscar Wendt vor dem 1:0 und die starke Vorarbeit von Luuk de Jong beim 2:0 sind spielerische Dinge, die den Fohlen in der Hinrunde noch weitestgehend fehlten.

Spieler wollen die erneute Qualifikation für Europa

Borussia Mönchengladbach hat in die Spur gefunden, tritt variabler auf und bleibt, abgesehen von einigen vergeben Chancen in der zweiten Halbzeit, weiter eiskalt vor dem Tor. Das Ergebnis sind 29 Punkte nach 19 Spieltagen mit dem Champions-League-Qualifikationsplatz in Schlagweite. Das einst vor der Saison ausgegebene Ziel – ein Platz im Mittelfeld der Tabelle – ist bei den Spielern deshalb auch nicht mehr ganz oben auf der Agenda. „Wir haben alle gemerkt wie schön es ist, europäisch zu spielen. Ich hoffe natürlich, dass wir das in den nächsten beiden Jahren auch schaffen“, sagte Führungsspieler Thorben Marx. Findet die spielerische Entwicklung eine Fortsetzung, dürfte dieses Ziel alles andere als unrealistisch sein.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 27. Januar
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