Gladbach hadert mit dem Schiri und ist letztlich doch selbst schuld

Kann mit dem Spiel seiner Mannschaft nicht zufrieden sein - Lucien Favre

(Foto: Jdp-Fotos.com)

Während der 90 Minuten zwischen Borussia Mönchengladbach und dem SC Freiburg war ordentlich Dampf im Kessel. Leider beinahe ausschließlich auf den Rängen. Der Großteil der 47.673 hatte in Schiedsrichter Wolfgang Stark den „Schuldigen“ für das magere Remis der Borussia ausgemacht. Insbesondere zwei Elfmetersituationen sorgten für arge Unmutsbekundungen der Fans – sogar Lucien Favre zeigte dem Referee demonstrativ „die Brille“. Auswüchse, die man sich allesamt hätte sparen können.

Klarer Elfmeter

Nein, Schiri Stark aus Ergolding traf keine Schuld am Remis gegen den SC Freiburg. Der Elfmeter, der zum 1:1 für den Sportclub führte, war klar berechtigt. Juan Arango foulte Sorg absolut elfmeterwürdig. Wie schon wenige Tage zuvor in Düsseldorf verschuldete der „Hurrikan“ ziemlich naiv einen weiteren Penalty. Der Ausgleich der Breisgauer, mit einem Pfeifkonzert quittiert, war verdient. Mehr noch. Gladbach hatte an diesem Samstagnachmittag in keiner Weise einen Sieg verdient gehabt. Dazu war die Leistung der Schützlinge von Trainer Lucien Favre schlichtweg zu dünn. Daran hätte auch eine fragwürdige Elfmetersituation, die man durchaus zugunsten der Gladbacher hätte pfeifen können, nichts geändert.

Nur 41 Prozent Ballbesitz in einem Heimspiel – viel zu wenig gegen einen von der Kaderstruktur klar unterlegenen SC Freiburg. Nur in einem Wert waren die Gladbacher einmal mehr ganz weit vorne dabei: Unglaubliche 21 Prozent Fehlpassquote zeigen die tatsächliche Schwäche der Borussen schonungslos dar. Das Mittelfeld der Favre-Truppe ist mit dem Spielaufbau schlichtweg überfordert, ein klares System, das zu den zur Verfügung stehenden Spielern passt, ist nicht erkennbar.

De Camargo ein Fremdkörper

Gladbach nimmt sich selbst aus dem Spiel und ist nach vorne so ungefährlich wie ein Abstiegskandidat. Wie es gehen kann, zeigte eine (endlich) mal schnell vorgetragene Aktion zum 1:0. Ein öffnender Pass von Thorben Marx auf den durchstartenden Oscar Wendt, Querpass, Tor – Schütze Igor de Camargo konnte gar nicht anders als den Ball in die Maschen zu dreschen. Borussias Glück. Denn mehr kam wieder einmal nicht vom belgischen Nationalspieler. De Camargo wirkt fahrig, uninspiriert, behäbig und vom Spiel seiner Mannschaft weitestgehend isoliert. Da muss einfach mehr kommen, sollte der Belgier weiterhin die Schuhe für die Fohlen schnüren wollen.

Den Stürmer alleine in die Schusslinie zu werfen wäre allerdings vermessen. Das magere Remis gegen ordentlich spielende Freiburger war das Ergebnis einer kollektiven Nichtleistung. Alleine die Tatsache, dass der Sportclub teilweise bereits auf Höhe der Mittellinie verteidigen und so die Gladbacher in der eigenen Hälfte einschnüren konnte, spricht Bände. Als Beobachter wird man den Eindruck nicht los, als würden nicht alle elf Protagonisten auch nur annähernd regelmäßig an ihre Leistungsgrenze gehen.

Dominguez in Gladbach angekommen

Einzig Neuzugang Alvaro Dominguez überzeugt Woche für Woche immer mehr im Trikot mit der Raute. Der Spanier scheint endgültig angekommen zu sein und seine Stärken auszuspielen. Gegen die Freiburger gewann der 23-Jährige über 90 Prozent seiner Zweikämpfe und brachte beinahe jeden Ball an den Mitspieler. Zudem war der Innenverteidiger an fast allen wenigen gefährlichen Situationen vor dem gegnerischen Tor beteiligt.

13 Punkte nach 10 Spielen stehen nun zu Buche. Borussia Mönchengladbach steckt ein wenig im Mittelfeld der Tabelle fest, steht jedoch weiter in Schlagweite zu den oberen Regionen. Will man in der Bundesliga mehr erreichen, muss die Leistung allerdings merklich angehoben und vor allem längerfristig konserviert werden. Alleine auf die Standardsituationen eines Juan Arango zu vertrauen wird auf Dauer nicht gutgehen. Das sieht auch Lucien Favre hoffentlich ähnlich – ansonsten gilt auch für ihn das demonstrative Problem mit der Brille. Der Der 55-Jährige sollte lieber die (Nicht)-Leistung seiner Mannschaft genauer unter die Lupe nehmen, statt den Schiedsrichter zu kritisieren. Wenn Sportkamerad Stark jede fehlerhafte Aktion der Borussia kommentieren würde, wäre er wohl auch zwei Tage nach dem Spiel noch immer nicht verstummt.

Der Romand ist allerdings auf einem guten Weg. „Ich möchte lieber über Fußball sprechen“, sagte er nach den unrühmlichen 90 Minuten. Bis Mittwoch täte er auch gut daran, das Sportliche mit der Mannschaft zu bereden. Am Donnerstag wartet mit Olympique Marseille eine wahre Herkulesaufgabe auf die Elf vom Niederrhein.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 05. November
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