Borussia Mönchengladbach gelingt der Befreiungsschlag – 2:0 gegen Frankfurt

Die meisten Beobachter werden sich am Sonntagnachmittag ziemlich verwundert die Augen gerieben haben. Nur die tollkühnsten Optimisten hätten nach den vergangenen so enttäuschenden Partien, dem 0:5 in Dortmund und der 2:4-Heimklatsche gegen Fenerbahce Istanbul, wohl einen Pfifferling auf die Borussia gesetzt. Der Großteil der 51.193 Zuschauer wurde gegen die Eintracht aus Frankfurt eines Besseren belehrt.

Lucien Favre und Sportdirektor Max Eberl zeigten sich nicht zuletzt nach dem vergeigten Europa-League einig. Die Mannschaft müsse wieder zu den Grundtugenden des Fußballs zurückkehren. Kampf statt Glanz, harte Arbeit anstatt eines Hauchs Barcelona, klare und einfache Bälle statt Tiki-Taka. Vieles klappte in den ersten Wochen, um es vorsichtig auszudrücken, noch nicht so recht.

„Spielen anderen Fußball“

Von einer echten Einheit war man in Mönchengladbach meilenweit entfernt, von einem funktionierenden System gar noch ein Stück weiter. Das so erfolgreiche aus der vergangenen Spielzeit – es ist Vergangenheit. „Eine Mannschaft und deren Spielweise haben zwangsläufig mit den Spielern zu tun, die auf dem Platz stehen. Und wenn es jetzt andere Typen sind als in der vergangenen Saison, dann spielen wir auch einen anderen Fußball. Das ist völlig normal“, sagte Sportdirektor Max Eberl bereits vor einigen Tagen.

Grau ist alle Theorie – alleine auf dem Platz schien diese Erkenntnis noch nicht angekommen zu sein. Borussia Mönchengladbach versuchte munter weiter das Spiel der vergangenen Saison durchzudrücken, jenes Spiel, für das seit Beginn der Runde die Spielertypen fehlen. Auf dem Platz herrscht zeitweilige Ratlosigkeit, verschwunden ist die einst so hervorragende Stabilität in der Defensive. Von der bei den Gegnern so gefürchteten favre’schen Kompaktheit scheint im Herbst 2012 nicht mehr allzuviel übrig zu sein. Die Folge sind 12 Gegentore in sechs Bundesligaspielen – letzte Saison waren es im gleichen Zeitraum unspektakuläre drei.

Die Mannschaft scheint ihren Trainer zu verstehen

„Es ist unmöglich so weiterzuspielen“, schimpfte Lucien Favre bereits nach dem 0:5 bei Borussia Dortmund. Dessen Meinung dürfte sich nach weiteren vier Gegentoren im Spiel gegen Istanbul nicht wesentlich zum positiven gewandelt haben. Seine Spieler scheinen ihn dieser Tage jedoch (endlich) erhört und vor allem verstanden zu haben.

Die „Fohlen“ fanden gegen die bislang ungeschlagene Überraschungsmannschaft aus Frankfurt in einem gewissen Maße wieder zu ihrer Kompaktheit zurück. Nicht nur das. Gegen die Eintracht war plötzlich wieder eine Mannschaft auf dem Platz zu erkennen. Elf Spieler, die füreinander einstanden und um jeden Ball kämpften. So sah es auch Kapitän Filip Daems: „Wenn du so eine Serie hinter dir hast, ist das hier heute sehr wichtig. Wir haben das geschafft, was wir die letzte Zeit nicht geschafft haben. Wir sind als Mannschaft aufgetreten, jeder war für den Anderen da und sind kompakt gestanden.“ „Fußballerisch war das natürlich noch nicht optimal“, ergänzte der Belgier, wohl wissend das die gezeigten Tugenden „erst einmal das Wichtigste waren“.

Marx bringt Ruhe ins Spiel

Borussias Defensive hielt dem Anrennen der Eintracht stand, auch weil die neuformierte Doppelsechs in Person von Havard Nordtveit und Thorben Marx endlich mehr Sicherheit in das eigene Spiel brachte. Vor allem der junge Norweger blühte neben dem überraschend ruhig und abgeklärt agierenden Marx auf. Bei seinem hervorragender Pass vor dem 2:0 durch Luuk de Jong blitze Nordtveits ganzes Können kurz auf. Überhaupt zeigte der 22-Jährige eine starke Leistung und verzichtete beinahe gänzlich auf die bis dato vielen, vielen Fehler im Spielaufbau.

Auf die gezeigte Leistung gegen Eintracht Frankfurt und dem daraus resultierenden Befreiungsschlag kann die Mannschaft von Lucien Favre  im Kollektiv aufbauen. Nun gilt es das Gezeigte zu konservieren und über die anstehende Länderspielpause zu retten. Mit jetzt neun Punkten auf der Habenseite ist die Borussia zumindest wieder im Geschäft und nicht vom akuten Druck unbedingt Punkten zu müssen belastet. „Wir haben einen Sieg erreicht und die erste Niederlage für Frankfurt – das ist sehr, sehr positiv“, sagte Trainer Lucien Favre nach dem Spiel, um gleich die weitere Marschroute vorzugeben: „Wir wissen aber, dass wir noch an vielem zu Arbeiten haben.“

Nationalspieler auf Reisen

Knappe zwei Wochen Zeit hat Favre nun um weitere Stellschrauben innerhalb des Teams zu justieren. Zu dessen Ärgernis fehlen ihm dabei einige Nationalspieler. Am 20. Oktober erwartet der SV Werder Bremen die Elf vom Niederrhein  dann zum Tanz im Weserstadion. Weiteren drei Punkten vorausgesetzt wäre man plötzlich wieder in ganz anderen Fahrwässern.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 08. Oktober
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