Der Blick geht auch nach unten: Borussia lässt Spielkultur vermissen

Gefällt ihm nicht: Lucien Favres Borussia spielt aktuell keinen guten Fußball...

(Foto: Imago)

Stuttgart, Limassol und der FC Augsburg – die spielerischen Leistungen von Borussia Mönchengladbach waren insbesondere in den vergangenen drei Pflichtspielen, positiv ausgedrückt, nicht gerade beeindruckend. Nicht das der Gegner großartig was gegen die Spielkultur der Borussia unternommen hätte. Vielmehr machte sich die Mannschaft von Lucien Favre das Spiel selbst schwer.

60 Prozent Ballbesitz hatten Juan Arango und Co. am vergangenen Sonntag beim Gastspiel in Augsburg und zeigten dabei einmal mehr ein beinahe bundesligaunwürdiges Aufbauspiel. Spielkultur? Fehlanzeige. Querpass, Rückpass, Fehlpass lautet derzeit die Devise. Pässe über fünf Meter schaffen es nicht bis zum Mitspieler, mit dessen Laufbereitschaft es zudem nicht weit her ist.

Blaues Auge in Augsburg

60 Prozent Ballbesitz und bis zum 1:1 kurz vor Spielende kein Schuss, der tatsächlich auf das Tor des FCA ging – eine traurige Bilanz für die letztjährige Überraschungsmannschaft. Mohamed Amsif, Torhüter des Tabellenletzten, muss sich vorgekommen sein wie in einem falschen Film. Dass Borussia Mönchengladbach dennoch mit einem blauen Auge, sprich mit einem Punkt die Heimreise antreten konnte, ist einzig und alleine dem Unvermögen des Gegners und der eigenen Moral geschuldet.

Die Moral ist aktuell Borussias größtes Faustpfand in einer Situation, in der die Mannschaft nicht in der Lage ist den Gegner mit spielerischen Mitteln nachhaltig in Gefahr zu bringen. Sportdirektor Max Eberl, der das Gesehene gegen den AEL Limassol nicht gutheißen wollte, gab sich mit dem Spiel in Augsburg allerdings merkwürdigerweise zufrieden. „Das die Mannschaft momentan an Moral zeigt, ist schon bemerkenswert“, sagte er nach dem Spiel gegen die „Puppenkiste“ der Liga. „Das frühe 0:1 schlug nach dem Spiel gegen Limassol bei uns voll ins Kontor, die Mannschaft brauchte ein wenig Zeit, um ins Spiel zu finden – und sie hat sich reingekämpft. Ich denke, dass der Punkt für uns deswegen auch total verdient ist. Wenn wir früher das 1:1 gemacht hätten, hätte ich gerne gesehen, was hier noch passiert wäre“.

Nur Gladbach’s Moral ist positiv

Weshalb Eberl die 90 Minuten derart schönredet und auf wenige gelungene Aktionen beschränkt, bleibt sein Geheimnis. Es ist zu hoffen, dass der Manager intern ganz andere Worte gefunden hat. Worte, die zum augenblicklichen Leistungsumfang der Mannschaft passen. Die viel gelobte Moral und der Einzug in die nächste Runde der Europa League, ist das einzige Positive.

Nun heißt es für Lucien Favre und seine Mannen bis Weihnachten ordentlich zu punkten, will man nicht weiter unten reinrutschen. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt lediglich fünf Punkte – da ist ein Sieg gegen den VfL Wolfsburg beinahe Pflicht.  Auf die Europa-League-Plätze braucht in Mönchengladbach derzeit niemand zu schielen. Dazu ist der Kader schlicht und einfach nicht homogen genug und die spielerische Qualität zumindest aktuell nicht abrufbar. Ausschließlich auf die (noch) vorhandene Moral zu setzen, ist allerdings gefährlich.

Für Borussia wird es Zeit Fußball zu spielen

Hätte man gegen Bayer Leverkusen sowie den Hamburger SV verdientermaßen verloren und in Hannover sowie Fürth keine derartige Aufholjagd gezeigt, stände die Borussia heute auf einem Abstiegsplatz. Es wird Zeit endlich Fußball zu spielen und die Fehlerquote zu minimieren, denn Glück und Moral dürften irgendwann aufgebraucht sein. Die nächsten Gegner heißen Wolfsburg, Schalke 04, Mainz 05 und Bayern München. Um es mit Lucien Favres Worten zu sagen: „Die Mannschaft ist in seriöser Gefahr.“

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 27. November
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