Europa League: Borussia Mönchengladbach siegt 2:0 gegen Olympique Marseille

Überraschender 2:0-Sieg gegen Olympique Marseille

(Foto: imago)

Nein, es war wahrlich kein Fußball – Leckerbissen im Borussia-Park. Konnte es auch nicht. Die sich in einer fußballerischen Krise befindenden Schützlinge von Fohlen-Trainer Lucien Favre zelebrierten im Europa-League-Spiel gegen Olympique Marseille nicht das schöne Spiel in Reinkultur – stattdessen besannen sie sich nach der 0:4-Niederlage am letzten Wochenende beim SV Werder Bremen auf ihre soliden Grundtugenden.

Längst überfällige Änderungen

Lucien Favre überraschte die Beobachter an diesem kalten Herbstabend. Erstmals in dieser Spielzeit traute sich der Romand, fernab jeglicher Rotationsmaßnahmen, Landsmann Granit Xhaka auf die Bank zu verbannen und den einzigen Spieler mit überdurchschnittlicher Grundschnelligkeit – Patrick Herrmann – hinter Luuk de Jong auf die Position des „Neuneinhalbers“ aufzustellen.

Beides waren zumindest am Donnertagabend zwei völlig richtige Entscheidungen. Eine, vor allem in den ersten 45 Minuten, recht nervöse Mannschaft wurde durch den (noch) völlig deplatziert wirkenden jungen Schweizer so nicht weiter verunsichert. Zudem sorgte der agile Herrmann immer wieder für Entlastungsangriffe.

Sein Trainer Lucien Favre ging sogar ein bisschen weiter: „Wir haben gut verteidigt, gut gestanden und im Mittelfeld viel gearbeitet. Und wir hatten ein paar gute Aktionen in die Tiefe, das war nicht ungefährlich.“ Tatsächlich brachte der 21-Jährige die Hintermannschaft der Franzosen ein ums andere Mal in Verlegenheit und sorgte so zumindest für ein wenig Gefahr. „Die Tiefe und Bewegung in den Schnittstellen, die Patrick gebracht hat, fehlte zuletzt etwas“, gab schließlich auch Führungsspieler Martin Stranzl wohlwollend zu Protokoll.

Starke Defensivleistung im Kollektiv

Der Österreicher hatte an diesem Abend, wie auch seine übrigen Kollegen aus der Viererkette, einen guten Job gemacht. „Die Führung hat uns mehr Vertrauen gegeben“, resümierte Lucien Favre. „Marseille hat dann versucht mehr nach vorne zu spielen, ohne jedoch viele Möglichkeiten zu haben.“ Und das, obwohl die Borussia im Verlauf des Spiels dazu gezwungen wurde umzustellen. In der 35. Spielminute musste Rechtsverteidiger Tony Jantschke mit einer schweren Gehirnerschütterung vom Platz. Roel Brouwers kam für ihn ins Spiel, Martin Stranzl rückte auf die Außenposition.

Einer für alle, alle für einen – das galt am Donnerstagabend nicht nur in dieser Situation für die Borussen. Auch wenn nicht alles Gold war, was auf dem grünen Rasen glänzte, wurde (endlich) wieder der Kampf angenommen und so ein hochveranlagter Gegner verdient bezwungen. „Wir haben gesehen, was möglich ist, wenn der eine für den anderen da ist“, gab Mittelfeldkämpfer Thorben Marx zu Protokoll.

Den Bock umstoßen

Borussia Mönchengladbach hat nun zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen den Hals aus der Schlinge ziehen können. Auf das 0:5-Desaster bei Borussia Dortmund folgte ein 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt, dem 0:4 in Bremen erneut ein 2:0-Sieg gegen Olympique Marseille. Es ist also an der Zeit den Bock endgültig umzustoßen. Die nächste Chance dazu besteht am kommenden Sonntag. Dann ist die Mannschaft von Lucien Favre bei Hannover 96 zu Gast.

Bei den heimstarken Niedersachsen nicht dabei sein werden wohl Tony Jantschke und Luuk de Jong. Während der Rechtsverteidiger wegen seiner Gehirnerschütterung zum Zusehen gezwungen sein wird, besteht beim Niederländer, dessen Fleischwunden am Knie getackert werden mussten, zumindest noch ein wenig Hoffnung. Sollte de Jong nicht auflaufen können, steht Favre indes der beinahe vergessene Peniel Mlapa zur Verfügung.

Die eigene Linie durchziehen

Der U21-Nationalspieler, der erst im Sommer an den Niederrhein wechselte und sich in der Vorbereitung verletzte, kam gegen Marseille erstmals länger als ein paar Minuten zum Einsatz. Nur 118 Sekunden nach seiner Einwechslung (65. ) platze dann der ganze Frust aus dem ehemaligen Hoffenheimer heraus. Mit seinem ersten Ballkontakt gewann Mlapa einen entscheidenden Zweikampf im Mittelfeld, ehe er den Ball aus 25 Metern an Torhüter Mandanda vorbei ins Tor jagte. Der Torschütze spielte die Sache nach dem Spiel allerdings ein wenig herunter: „Es war kein Frust in dem Schuss, sondern es war das Ziel, das 2:0 machen.“

Ob der ebenso bullige wie schnelle Angreifer nun eine Chance von Beginn an bekommt? Sein Kapitän Filip Daems gibt fernab jeglicher personellen Gedankenspiele die klare Marschrichtung für das nächste Spiel vor: „In Hannover müssen wir jetzt versuchen, unsere Linie durchzuziehen und alles was wir heute gezeigt haben, auch abrufen.“ Wahre Worte, die vor allem seinem Trainer Lucien Favre gefallen dürften.

PS: Kennst du schon unseren kostenlosen Newsletter? »Hier« kannst du unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

veröffentlicht von Björn Brodermanns am 26. Oktober
Diesen Artikel empfehlen:
 
Kommentieren via Facebook neu