Favres Denkmal bröckelt – Borussia Mönchengladbach zeigt keine Entwicklung

Lucien Favre nachdenklich.

(Foto: imago)

Die Borussia macht aktuell wenig Spaß – vom VfL der vergangenen Saison ist nichts mehr zu sehen. Bereits nach acht Spieltagen macht sich die erste Angst breit. Ganz klar: In der momentanen Verfassung drohen der freie Fall und branchenübliche Handlungen.

Die Euphorie des Sommers hat sich schon längst wieder gelegt. Die Sehnsucht nach atemberaubenden Europapokal-Abenden ist bereits nach wenigen Auftritten der harten Realität gewichen. Das Heimspiel gegen Olympique Marseille dürfte bei der aktuellen Tabellenkonstellation in Gruppe C bereits die letzte Möglichkeit sein, noch einmal ein Wörtchen mitzureden. Eine Niederlage gegen die klar favorisierten Franzosen käme wohl einem Aus gleich.

Auf dem Weg zur Schießbude

Doch auch in der Bundesliga ist die Euphorie frühzeitig abhandengekommen. Platz 13 bei neun Punkten und 9:16 Toren – willkommen in der Schießbude der Liga, ist man da geneigt zu sagen. Tatsächlich hat jedoch die TSG 1899 Hoffenheim noch einen Treffer mehr kassieren müssen. Lucien Favre und seine Mannen sind bereits früh in der Saison auf den harten Boden der Realität angekommen. Das, was die Mannschaft vor allem in der vergangenen Spielzeit so erfolgreich machte, ist heute schlichtweg nicht mehr existent.

Defensive Kompaktheit? Fehlanzeige. Nach einem Tor des Gegners bricht die Mannschaft ein und öffnet Tür und Tor. Das 0:5 in Dortmund vor wenigen Wochen und das 0:4 in Bremen lassen Böses erahnen. Bei den „Fohlen“ scheint aktuell wenig bis gar nichts zu passen. Wackelabwehr, ein Mittelfeld, das fröhlich Fehlpassorgien feiert und ein Sturm, der beinahe ohne jegliche Anbindung zum Spiel ist.

Es fehlt am kleinen Einmaleins

Quo vadis Borussia? Der Abstiegskampf hat spätestens nach der unglaublich blutleeren 0:4-Klatsche am vergangenen Wochenende begonnen. Wie soll der freie Fall nun gestoppt werden? Erfolgstrainer Lucien Favre scheint erstmals in seiner Gladbach-Ära einigermaßen ratlos zu sein und füllt seine Analysen größtenteils mit branchenüblichen Phrasen. „Das war dumm“, konstatierte der Romand nach dem Spiel in Bremen. „Nach dem 0:1 müssen wir ruhig bleiben und dürfen niemals dieses zweite Tor kassieren.“

Das kleine Einmaleins des Fußballs – jeder halbwegs ambitionierte Kreisligaspieler weiß, wie er sich nach einem 0:1 kurz vor der Halbzeit (37. Minute) zu verhalten hat. Wer dann Sekunden vor dem Pausenpfiff noch das 0:2 schluckt, ist tatsächlich, wie von Lucien Favre genannt, ziemlich „dumm“. Zumindest aber im höchsten Maße naiv.

Nun steht der Schweizer in der Pflicht. So sind die Gesetze des Geschäfts. Die Spieler werden, wenn überhaupt, als Letztes in die Pflicht genommen. Der Trainer ist im Profifußball immer noch das schwächste Glied in der Kette – wohl auch in Mönchengladbach. Immerhin zeigte Favre unmittelbar nach der Klatsche an der Weser erstmals sein grimmigstes Gesicht. Der Romand bestand auf die sofortige Beendigung aller Interviews und versammelte seine Schützlinge zu einem viertelstündigen Rapport in der Kabine.

Wechsel des Spielsystems?

Ob diese Maßnahme etwas bringt? „Der Trainer erreicht uns noch“, sagt Mittelfeldspieler Havard Nordtveit, der immer noch zu den stärksten Akteuren der Elf vom Niederrhein zählt. Lucien Favre denkt, so heißt es aus dem nahen Umfeld des VfL, nun (endlich) über ein anderes Spielsystem nach. Der Schweizer hatte bislang größtenteils am alten System, das überdurchschnittlich auf die Künste von Marco Reus zugeschnitten war, festgehalten. Diese Tatsache sorgte bei nicht wenigen Beobachtern für reges Kopfschütteln.

Bleibt zu hoffen, dass die Einsicht des Cheftrainers nicht zu spät kommt. Marseille, Hannover (auswärts) und Fortuna Düsseldorf (Pokal) heißen die weiteren Gegner im Oktober. Lucien Favre sind dabei schon beinahe zum Erfolg verdammt. Bleiben diese aus, könnte es ganz ungemütlich werden am Borussia-Park. Gladbachs Präsidiumsmitglied Hans Meyer sagte einst: „Im Fußball baut man Dir schnell ein Denkmal, aber genauso schnell pinkelt man es an.“ Damit beschreibt er die Situation, die im Falle weiterer Niederlagen auf Favre zukommen könnte. So ist das Geschäft. Leider muss man in diesem Fall sagen. Eine mögliche Trennung täte der Borussia nicht gut. Im Gegenteil.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 23. Oktober
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