Gefahr im Verzug – für Gladbach gilt es nun halbwegs in der Spur zu bleiben

Borussia Mönchengladbach gegen Bayer Leverkusen. Eine Partie, die seit Jahren Spannung und viele Tore beinahe garantiert. Auch am Karnevalssamstag sollten die 46.010 Zuschauer im eiskalten Borussia-Park auf ihre Kosten kommen. Am Ende fielen in der phasenweise ereignisreichen Partie sechs Tore – Freunde des gepflegten Fußballs werden dennoch mehr als enttäuscht die Heimreise angetreten haben.

 

 

 

Vieles auf dem Platz fühlte sich an wie ein ordentlicher Kater nach den ersten beiden Karnevalstagen. Einige Protagonisten – vornehmlich in Weiß gekleidet – wandelten auf dem grünen Rasen als hätten sie die beiden vorangegangenen Tage in der Stadt des rot-weiß-roten Rivalen durchgefeiert. Nicht eine einzige Ballstafette in den ersten 45 Minuten fand den Weg vom eigenen Sechszehner bis zum gegnerischen Tor.

Eckball wird fast schon gefeiert wie der Gewinn der Europa League

So feierte der Großteil der rund 46.000 frierenden und auf schnelle Spielzüge hoffenden Zuschauer  in der 44. Spielminute den ersten Eckball ihrer Borussia ähnlich euphorisch wie den Gewinn der Europa League.  Dass eben dieser erste Vorstoß und diese eine Ecke der Startschuss für eine völlig verrückte Partie werden sollte, ahnte zu dieser Zeit wohl noch niemand.

Grundlegende Besserung brachte jedoch weder die mehr als glückliche 1:0-Führung als auch die zweite Halbzeit – abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen – nicht. Lucien Favres Mannschaft mogelte sich mit einer fußballerisch weitestgehend bundesligaunwürdigen Leistung durch die Partie. Eine Tatsache, die im Umfeld erste leise Alarmsignale ertönen lässt.

Ungewöhnlich laute aber passende Kritik

Während sich der Großteil der Gladbacher Protagonisten an dem Remis arrangieren konnte, fand man für das Gezeigte dennoch flächendeckend Kritik. „Die erste Halbzeit war überhaupt nicht gut“, analysierte VfL-Coach Lucien Favre. „Wir hatten unglaubliche Ballverluste. Ganz einfach und ohne Druck haben wir die Bälle einfach an den Gegner gegeben.“

In seiner Kritik noch harscher wurde nach dem Spiel Mannschaftskapitän Martin Stranzl. Der Österreicher prangerte allen voran die Vielzahl der völlig überflüssigen Ballverluste im Spielaufbau an. „Das zieht sich ja schon länger hin. Das ist nichts Neues“, wirkte Stranzl dabei beinahe schon so als hätte er die Hoffnung auf baldige Besserung aufgegeben. Doch der 32-Jährige wollte vielmehr die Finger in die weit klaffende Wunde legen: „Das geht nicht. Es wird oft gesagt, wir stecken in einem Lernprozess, aber wir müssen auch mal einen Schritt weiter kommen. Wenn man sich die Spielanlage, unsere Mannschaft anguckt, dann muss man das besser machen. Dann bekommt man auch nicht diese drei Gegentore – wobei wir uns in der ersten Hälfte bereits zwei hätten fangen können.“

Cigerci überfordert

Martin Stranzl hat recht und tut gut daran sowohl dessen Mitspieler als auch das Gladbacher Umfeld aufzuwecken. VfL-Sportdirektor Max Eberl spricht seit Monaten (zurecht) von eben jenem Lernprozess und wird nicht müde dies immer wieder zu betonen. Dennoch kann und darf eine solche „Leistung“ nicht der Anspruch für die Elf vom Niederrhein sein. Lucien Favre und Co. sollten tunlichst an den unverkennbaren Schwächen arbeiten. Ansonsten droht neben einem K.O. im Sechszehntelfinale der Europa League gegen Lazio Rom vor allem das graue Mittelmaß in der Liga.

Es gilt vor allem spielerisch wieder auf die Beine zu kommen. Irgendwann wird jegliches Glück, jede Effizienz und jegliche Moral ain Gladbach aufgebraucht sein. Dann fehlt der Borussia der entscheidende Trumpf. Lucien Favre wird sich in den kommenden Tagen und Wochen so seine Gedanken machen müssen. Der wieder einmal enttäuschende Tolga Cigerci kann nicht die Lösung aller spielerischen Probleme sein.  Der 20-Jährige, der nach eigenen Angaben gerne „der Regisseur der Borussia“ seine würde, wird den Anforderungen der ersten Liga bis dato nicht annähernd gerecht.

Falsche Kaderstruktur in der Offensive?

Hier wird sich so langsam aber sicher auch Sportdirektor Eberl an die Nase fassen müssen. Borussias Kaderstruktur in der Offensive ist vorsichtig ausgedrückt nur wenig homogen. Nicht zuletzt deshalb ist es in den kommenden Wochen von größter Wichtigkeit darauf zu achten halbwegs in der Spur zu bleiben. Personelle Alternativen gibt es in für Lucien Favre in Gladbach zumindest in der laufenden Saison keine mehr.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 11. Februar
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