Gladbachs Defensive im Fokus: Alvaro Dominguez auf Dantes Spuren

Ist bei Borussia Mönchengladbach richtig gut angekommen - Neuzugang Alvaro Dominguez...

(Foto: Imago)

In der vergangenen Spielzeit war Borussias Defensive das große Faustpfand des Teams. In der Frühphase der Spielzeit noch ähnlich stabil, ließen die Mannen von Trainer Lucien Favre im weiteren Verlauf stark nach. Eine Tatsache, die sicherlich auch der fehlenden Kompaktheit der Vorderleute geschuldet war. Seit einigen Wochen zeigt sich der Defensivverbund beinahe wieder in alter Form – es wird wieder intelligent verteidigt. Neben den Leistungen des aktuell von den Zweikampfwerten her besten Innenverteidigers der Liga – Martin Stranzl – auch ein Resultat der ansteigenden Leistungen von Neuzugang Alvaro Dominguez…

Martin Stranzl

23 Pflichtspiele, drei Tore, 75 Prozent gewonnene Zweikämpfe – allesamt Werte die, die sensationelle Form des Österreichers belegen. Wohl nie zuvor war der 32-jährige in derart perfekter körperlicher Verfassung, nie so leistungsstabil und noch nie so wertvoll für sein Team. Kurz: Martin Stranzl befindet sich in der Form seines Lebens und auf dem Zenit seiner Karriere.

Seine Wertigkeit zeigte der Burgenländer allen voran zu einer Zeit, als Borussias eigentlich wasserdichter Abwehrverbund zur Schießbude der Liga avancierte. Stranzl agierte trotz allem weitestgehend stabil, behielt den Kopf oben und stärkte so seine Nebenleute. Vor allem Tony Jantschke und Alvaro Dominguez konnten sich am Spiel des 1,90-Meter-Hünen orientieren und so von Spiel zu Spiel steigern.

Martin Stranzl im Zuge des auslaufenden Vertrags in Kombination mit seinem vorzeitigen Karriereende zu verlieren wäre ein kaum zu verschmerzender Verlust. Aus heutiger Sicht dürfte der Körper des 32-Jährigen noch für das ein oder andere Jährchen auf höchstem Niveau ausgelegt sein. Dennoch wäre eine Entscheidung gegen eine Vertragsverlängerung und für die Familie absolut nachvollziehbar sowie ehrenhaft. Genau jene Denkweise unterstreicht die Charakterstärke des aktuell statistisch gesehen besten Innenverteidigers der Liga. Doch noch ist noch nicht aller Tage Abend – die Gespräche über seine Zukunft dürften nach Weihnachten in eine entscheidende Phase gehen.

Alvaro Dominguez

22 Pflichtspiele, zwei Tore, 61 Prozent gewonnene Zweikämpfe – wer einen Dante-Klon wollte, hat ihn mit dem jungen Spanier bekommen. Zumindest was die Zweikampfwerte betrifft. Denn da ist der gebürtige Madrilene mit dem bajuwarischen Innenverteidiger auf Augenhöhe. Einzig das Aufbauspiel ist aktuell noch leicht verbesserungswürdig. Da ist ihm der ehemalige Borusse und vielleicht kommende Abwehrmann der Selecao noch eine Schrittlänge voraus.

Ansonsten gibt es an der ersten Halbserie des 23-Jährigen nicht viel zu mäkeln. Im Gegenteil. Alvaro Dominguez ist trotz anfänglicher Probleme des Defensivverbundes in der Bundesliga angekommen und bei Borussia Mönchengladbach nicht mehr wegzudenken. Trainer Lucien Favre wird beim für einen Südländer ungewöhnlich ruhigen Spanier im kommenden Jahr die richtigen Stellschrauben justieren und ihn zu einem unantastbaren Abwehrchef formen. Vielleicht treffen sich Dominguez, der gegen die Bayern zuletzt gesperrt zusehen musste, und Dante ja doch noch auf dem grünen Rasen. Spätestens die WM 2014 könnte dafür ein geeigneter Rahmen sein. Die Zukunft in Spaniens „Furia Roja“ dürfte unter anderem dem Borussen gehören.

Roel Brouwers

17 Pflichtspiele, ein Tor, 66 Prozent gewonnene Zweikämpfe belegen: Wenn der Niederländer gebraucht wird, ist auf ihn Verlass. Man braucht sich nicht weit aus dem Fenster zu lehnen, um zu behaupten, dass „Brouwers Roooooeeeeel“ bei 80 Prozent aller Bundesligisten zum uneingeschränkten Stammpersonal gehören würde.

Bei Borussia ist er „nur“ der dritte Mann. Brouwers nimmt sein „Schicksal“ hin und das seit Jahren. Dies spricht für den unglaublich starken und loyalen Charakter des 31-Jährigen Familienvaters. Für seine professionelle Einstellung wird der Niederländer von seinem Trainer Lucien Favre folgerichtig auch mit halbwegs regelmäßigen Einsätzen belohnt.

Zuletzt stand er gegen den FC Bayern München über 90 Minuten seinen Mann. Mit fast 70 Prozent gewonnenen Zweikämpfen ließ er Mandzukic, Gomez und Co. beinahe keine Chance. Auch 2013 wird Brouwers, sofern er vor Verletzungen verschont bleibt, trotz seines Reservistendaseins eine wichtige Rolle für den Verein spielen. Auf und neben dem Platz.

Tony Jantschke

24 Pflichtspiele, ein Tor, eine Torvorlage, 63 Prozent gewonnene Zweikämpfe – Borussias U21-Nationalspieler hat eine Hinrunde der gemischten Gefühle hinter sich. War der 22-jährige Rechtsverteidiger in der vergangenen Spielzeit einer der großen Leistungsträger und für viele Beobachter bereits im Dunstkreis der Nationalmannschaft, stagnierte seine Entwicklung in der abgelaufenen Hinserie. Für ein Talent seiner Kategorie und seines Alters im Zusammenspiel mit den Erfahrungen der letzten 12 Monate keine allzu große Überraschung.

Jantschke musste erstmals, seit er unter Lucien Favre zum Stammspieler avancierte, durch ein größeres Leistungstief hindurch. Dabei hat der 22-Jährige absolute Nehmerqualitäten gezeigt und seine Leistungen peu à peu gesteigert. Zuletzt zeigte Jantschke wieder seine in der Defensive gewohnt starken Leistungen. Der Lohn: Borussia verlängerte seinen ohnehin erst 2014 auslaufenden Vertrag vorzeitig bis 2015 mit einer vereinsseitigen Option bis 2016.

So bleibt für den Rechtsverteidiger genug Zeit, um an seinen Schwächen zu arbeiten. Neben dem oftmals fehlenden Offensivdrang ist vor allem das Aufbau- und Passspiel des 22-Jährigen mehr als ausbaufähig. Hier drückt noch akut der Schuh. Trainer Lucien Favre wird diesen in den kommenden Monaten sicherlich anpassen.

Oscar Wendt

13 Pflichtspiele, ein Tor, eine Torvorlage, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe – der kühle Schwede wird langsam warm am Niederrhein. Bislang im Schatten von Kapitän Filip Daems konnte er die sich durch dessen Verletzung  bietende Chance nutzen. Nach vorne hin mit deutlich mehr Zug als der Belgier, hapert es bei Wendt eher im Kerngeschäft – der Defensive.

Doch auch hier ist seit einigen Wochen eine positive Korrektur zu verzeichnen. Seitdem die gesamte Mannschaft kompakter agiert, zeigt sich auch das Defensivspiel des ehemaligen Nationalspielers stark verbessert. Den Höhepunkt erreichte Wendt sicherlich gegen die Münchener Bayern. Gegen Müller und Co. gewann der 27-Jährige sensationelle 82 Prozent aller Zweikämpfe – ein absoluter Top-Wert.

Kann Oscar Wendt diese Leistung ins neue Jahr hinüberretten und kompensieren, könnte er Filip Daems, sobald dieser wieder fit ist, mittelfristig das Leben schwerer machen als bislang angenommen.

Filip Daems

15 Pflichtspiele, ein Tor, 63 Prozent gewonnene Zweikämpfe – der Belgier begann die Saison wie gewohnt stark um dann leistungsmäßig, ähnlich wie das gesamte Team, stark einzubrechen. Blöd für Kapitän Daems: Die Mannschaft hat sich gefangen, er selbst ist seit Ende Oktober zum Zuschauen verdammt. Erst plagte ihn eine hartnäckige Bauchmuskelzerrung, ehe ihn nun anhaltende Adduktorenbeschwerden am Comeback hindern.

Daems ist mittlerweile 34 Jahre – sein Körper zollt der Dauerbelastung der vergangenen zwei Jahre Tribut. Für das Team und ihn selber ist es selbstverständlich wünschenswert, dass er schnellstmöglich wieder auf den grünen Rasen zurückkehrt. Ob er mittelfristig noch einmal an Oscar Wendt, der ihn bislang ordentlich vertreten hat, vorbeikommt, ist dabei höchst fraglich. Zudem scharrt Riesentalent Christopher Lenz aus der U19 bereits mit den Fohlen-Hufen. Der ehemalige Berliner dürfte schon bald eine Rolle in Favres Bundesligakader spielen.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 18. Dezember
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