Großer Respekt vor Eugen Polanski: „Kennen Sie meinen Charakter?“

Vor einigen Wochen wechselte der Ex-Borusse Eugen Polanski von Mainz 05 zur TSG 1899 Hoffenheim. Ein Wechsel, der nicht gleich jedem verständlich erscheint. Auch mir nicht. Vom freundlichen Europapokal-Aspiranten aus Mainz ins sportlich angeschlagene Kunstbiotop nach Sinsheim? Nein mein lieber Eugen, verstehen kann ich das nicht. Höchstens dein Portemonnaie wird das können.

 

 

 

Eugen Polanski hielt ich bis dato immer für einen integren Sportsmann, der aus privaten Gründen sogar sein wohl sportlich wertvollstes Unterfangen beim FC Getafe in Spanien abbrach, um wieder in die Heimat zurückzukehren. Nun dieser Wechsel von Mainz 05 zum stark abstiegsbedrohten Klub von Mäzen Dietmar Hopp.

Mit mittlerweile 26 Jahren will der gute Eugen wohl noch einmal Kohle scheffeln – dafür lässt er sein Team in Mainz im Stich. Genau dieser Gedanke verleitete mich zu einer relativ spontanen Handlung. Auf meiner wohlgemerkt privaten Facebook-Seite schrieb ich: „Marvin Compper und Eugen Polanski (mit Verlinkung auf seine Fan-Page) – Charakterstärke sieht anders aus.“

Angriff auf das Recht der freien Meinung?

Wenige Wochen später bekam ich eine Mail. Niemand Geringeres als der Spieler selbst suchte das Gespräch mit mir: „Kennen Sie meinen Charakter oder wie kommt es das Sie diesen auf der Fan-Page beurteilen…?“ Ich war, nachdem ich die Echtheit der Mail sichergestellt hatte, einigermaßen geplättet. Was will dieser Spieler von mir? Ist dies ein Angriff auf mein Recht der freien Meinungsäußerung?

Meine defensive Antwort: „Es ist doch verwunderlich, das sich ein Bundesligaprofi und gestandener Nationalspieler um einen privaten Pinnwandeintrag schert.“ Auch die darauf folgende Antwort und das sich weiter ergebende Gespräch, dessen Einzelheiten ich aus Respekt gegenüber Eugen Polanski an dieser Stelle nicht weiter groß zitieren möchte, war ebenso überraschend wie interessant. Die nachfolgende Konversation hat mich zum Nachdenken gebracht. Nicht nur was scheinbare lapidare Posts in sozialen Netzwerken betrifft, sondern auch bezüglich meiner Berichterstattung im sportjournalistischen Bereich.

Heimatgefühle gibt der Beruf nicht her

Eugen Polanski hat mir mit seiner direkten und offenen Art gezeigt, dass ihn nicht nur finanzielle Aspekte in den Kraichgau gelockt haben.  „Wenn dir der Chef sagt, du spielst keine große Rolle und es wär besser einen neuen Verein zu finden würdest du ein Wechsel bevorzugen? Klar spielt das Finanzielle eine Rolle aber doch nicht nur bei mir beziehungsweise im Fußball oder?“ – ein Satz, der vieles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Zudem gab „Polle“ ein wenig von seinem fußballerischen Seelenleben preis: „Mir wär es auch lieber an ein und demselben Ort zu bleiben, wo ich mich auskenne und alles seinen Lauf nimmt – aber der Beruf gibt das nicht her.“

Ehrliche Worte eines Bundesligaspielers der den Vorwurf, ein charakterloser Söldner zu sein, nicht einfach so stehen lassen will. Ich persönlich bin Eugen Polanski für seine ungewöhnliche Art und Weise der Kontaktaufnahme und für die gesamte Konversation sehr dankbar. Für mich war es gerade deshalb kein Angriff auf meine freie Meinung, sondern viel mehr eine gewinnbringende Diskussion für uns beide.

Deshalb kann ich Eugen Polanski nur meinen allergrößten Respekt zollen. Mit dieser Sache hat er für mich seinen tatsächlichen (starken) Charakter gezeigt.  (Foto: Wikipedia)

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 11. Februar
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