Igor de Camargo: Tribüne, Bank, Internet und Gespräche mit Favre

Von der Bank hui, von Beginn an meist pfui: Igor de Camargo konnte gegen den FC Augsburg erneut nicht überzeugen...

(Foto: Imago)

Der Belgier mit brasilianischen Wurzeln hat es derzeit nicht leicht bei Borussia Mönchengladbach. Ähnlich wie seine Mannschaft durchläuft der 29-Jährige eine Saison mit Höhen und Tiefen. Dass er wichtig sein kann, hat er häufig mehr als angedeutet – einzig die nötige Konstanz fehlt. Dafür hat de Camargo eine Erklärung.

Manchmal ist Fußball ganz einfach. Wie Schach nur ohne Würfel, wie es ein aktueller Deutscher Nationalspieler einst zu sagen pflegte. Für Igor de Camargo ist das Spiel derzeit wesentlich komplizierter. Gegen den AEL Limassol vor wenigen Tagen mit zwei entscheidenden Treffern noch der zurecht gefeierte Held, blieb er beim Tabellenletzten aus Augsburg gänzlich blass. Der Belgier konnte lediglich 35 Ballkontakte für sich verbuchen und schoss kein einziges Mal auf das Tor des Gegners.

Fehlender Rhythmus

Von der Bank stark, von Beginn an blass – ist de Camargo also ein klassischer Joker? Für den Stürmer ist dies als Erklärung zu wenig. „Dass das jetzt so dargestellt wird, ist klar“, echauffierte sich der Belgier nach dem Spiel in der Mixed-Zone. „Aber ich muss Rhythmus und Automatismen bekommen. Das Wechseln zwischen Platz, Bank und Tribüne ist nicht leicht.“

Für die anwesenden Journalisten hatte de Camargo auch gleich eine Gegenprobe parat. „Kannst du eine Woche ohne Internet leben?“, versuchte der 29-Jährige sich in die journalistische Arbeit reinzudenken, um dann zu erklären: „Dann würde es dir schwer fallen noch dem zu folgen, was in der Woche passiert ist. Das ist wie im Fußball: Du musst immer dabei sein, um zu wissen, was passiert.“

Seit 2010 ohne Entwicklung aber mit wichtigen Toren

Igor de Camargo mag recht haben. Vielleicht. Ganz gewiss ein bisschen sogar. Dennoch steht dem Belgier das tägliche Training zur Verfügung. Genau genommen seit dem Sommer 2010. Eine positive Entwicklung hat der 29-Jährige dabei nie genommen. Einst waren es Verletzungen, die den Nationalspieler ständig zurückwarfen – nun ist es das angeblich fehlende Wissen über das, was passiert. Ergo: Der Belgier fordert einen Stammplatz.

Igor de Camargo hat nicht viele Tore für die Fohlen erzielt. 13 in der Liga (54 Spiele), drei in der Europa League, eins im Pokal und das entscheidende in der Relegation gegen den VfL Bochum 2011 – doch die meisten waren für den Verein von besonderer Wichtigkeit. Diese Tatsache reicht aus, um ihn als besonderen Spieler in den Geschichtsbüchern zu verewigen und ihn im Gedächtnis zu behalten. Doch rein sportlich wird es Igor de Camargo weiter nicht einfach haben im Borussia-Park. Dazu fehlt ihm schlicht und einfach die Konstanz.

Gespräche mit Lucien Favre

Um nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen, bedarf es ein paar mehr gelaufenen Metern gegen Augsburg. Vielleicht eine gefährliche Aktion und vor allem eine andere Körpersprache. Viele Aktionen kommen leider sehr alibimäßig rüber. So darf man gespannt abwarten, wie sich die Zukunft des Belgiers entwickeln wird. „Ich habe schon mehrfach mit dem Trainer über meine Situation gesprochen“, gab de Camargo zu Protokoll. In der Winterpause folgt ziemlich sicher ein Gespräch mit dem Manager. Max Eberl hält nach wie vor viel von seinem einstigen Königstransfer. Dennoch könnten sich die Wege trotz des bis 2014 gültigen Kontrakts im Januar trennen.

De Camargo kann abgesehen von seinen Verdiensten und seinen wichtigen Toren nicht die Zukunft der Borussia sein. Mike Hanke wird seinen auslaufenden Vertrag verlängern und Luuk de Jong spätestens nach Weihnachten wieder in die Stammelf zurückkehren.  Da bleibt für de Camargo „nur“ das Pendeln zwischen Rasen, Bank und der Tribüne. Ein wohl kaum erstrebenswerter Zustand, trotz aller Bekundungen der letzten Wochen in Gladbach bleiben zu wollen – vor allem in Hinblick auf das große Ziel de Camargos: Die WM 2014 mit Belgien in seinem Geburtsland. Vielleicht wäre Lüttich, das ein gesteigertes Interesse am 29-jährigen Stürmer hegt, da die bessere Lösung um „den Blick“ für 2014 zu schärfen.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 26. November
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