Juan Arango – vom schnöden Tiefausläufer zum Hurrikan vom Niederrhein

Juan Arango - Borussias Führungsspieler ist nicht mehr wegzudenken.

(Foto: Jdp-Fotos.com)

Seit dem Sommer 2009 schnürt Juan Fernando Arango Sáenz für Borussia Mönchengladbach die Fußballschuhe. Der Venezolaner wechselte damals für rund 3,6 Millionen Euro von Real Mallorca an den Niederrhein. Mit Arango, wie der Mittelfeldspieler in Europa kurz genannt wird, sollte der Mannschaft ein Stück Genialität zuteilwerden. In den Jahren zuvor hatte der damals 29-Jährige mit seinen Leistungen die halbe Primera División verzückt.

Lethargischer Mitläufer

Juan Arango – von seinen Anlagen her eigentlich Borussias bester Fußballer. Sein linkes „Füßchen“ ist in der Lage unglaubliche Dinge zu vollbringen. Wenn er denn will und man ihn lässt, kann er am Ball alles. Kann. Manchmal. Als „Hurrikan der Karibik“ wechselte er an den Niederrhein, schwächte sich zunächst zu einem schnöden Tiefausläufer ab, um sich mit und mit zum Tropensturm zu entwickeln und so für Gefahr beim Gegner zu sorgen.

Rückblickend hat der Mittelfeldspieler beim VfL sämtliche „Wetterkapriolen“ durchlaufen. Insbesondere zu Beginn seiner Zeit bei der Borussia waren die Leistungen des Venezolaners meist läuferisch schwach und von einer teils unerträglichen Lethargie geprägt. So manchem Fan trieb es die Zornesröte ins Gesicht, wenn Arango mal wieder über die linke Seite trabte, als befände er sich bereits beim Auslaufen.

Katastrophal waren dessen Leistungen vor allem defensiv. Die linke Seite des VfL wurde oftmals zur ständigen Gefahr. Gefahr für das eigene Spiel, Gefahr für das eigene Tor. Egal welcher Spieler die linke Abwehrseite bekleidete – er sah zumeist schlecht aus. Ein „Verdienst“ Arangos, der defensiv weder mitdachte geschweige denn mitagierte.

„Klimawandel“ unter Lucien Favre

Dem zum besten Fußballer seiner Heimat gekürten Mittelfeldspieler gelang unter Trainer Lucien Favre eine regelrechte Reinkarnation. Ein Phänomen: Juan Arango lernte unter der Ägide des Schweizers das Laufen, Kämpfen und Verteidigen. In einigen Spielen zeigte er gar richtige Führungsqualitäten, trieb das Spiel seiner Mannschaft immer wieder an, rochierte von links nach rechts und war überall zu finden. Plötzlich war Arango wieder ein kleines bisschen Hurrikan. Zumindest ein kleiner Wirbelwind, der einen gehörigen Anteil am Last-Minute-Klassenerhalt 2011 hatte.

Spätestens seit der Saison 2011/2012, in der sich die Borussia zur Überraschungsmannschaft der Liga aufmachte, ist Juan Arango aus Mönchengladbach nicht mehr wegzudenken. Zentimetergenaue tödliche Pässe, direkt und schnell, dazu eine begnadete Freistoßtechnik – Juan Arango hat sich das Prädikat „Hurrikan“ neu erarbeitet und dabei immer wieder an Fahrt zugelegt. Mehr noch. Alleine die nackten Zahlen krönen ihn mittlerweile zu „König Juan des Borussia-Parks“. In 38 Pflichtspielen brillierte der 32-Jährige mit sechs Toren und sagenhaften 15 Assists. Damit schwang sich Arango zu einem der wertvollsten Spieler der Bundesliga auf.

Borussias Dreh- und Angelpunkt

Die aktuelle Saison läuft für den introvertierten Edeltechniker nicht minder gut. In 14 Pflichtpartien gelangen ihm bereits fünf eigene, teils unglaubliche Treffer sowie neun Torvorlagen. Arango ist mittlerweile unbestritten Gladbachs Dreh- und Angelpunkt. Der ehemalige schnöde Tiefausläufer ist wieder zu einem energiegeladenen Tropensturm herangereift und lässt es ordentlich krachen. Vor seinen direkt verwandelten Freistößen und phänomenalen Weitschüssen zittert längst die gesamte Liga. Zuletzt konnte sich Nationalkeeper Ron-Robert Zieler ein Bild von Arangos Künsten machen. Dessen 3:2-Siegtreffer gegen Hannover 96 war eine einzige Demonstration seines Könnens und wohl das kommende Tor des Monats.

Der Hurrikan vom Niederrhein – er wird mit Borussia Mönchengladbach weiter ordentlich für Furore sorgen. Die Mannschaft ist nach den Siegen gegen Olympique Marseille sowie Hannover 96 wieder zurück im Geschäft. Gegen Fortuna Düsseldorf will der VfL am Mittwochabend in die dritte Pokalrunde einziehen. Vielleicht trifft gegen die Nachbarn vom Rhein auch „König Juan“ einmal mehr ins Schwarze.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 30. Oktober
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