Viele Fragezeichen: Borussias Mittelfeld erster Teil

Nachdem wir bereits einen Blick auf Borussias Defensive riskiert haben, ist nun Gladbachs Mittelfeld an der Reihe. Den Anfang machen Alexander Ring, Tolga Cigerci, Lukas Rupp und Amin Younes. Das Quartett bildet den ersten Teil bevor der Fokus in den kommenden Tagen Juan Arango und Co. gelten wird.

Alexander Ring

Elf Pflichtspiele, ein Tor, eine Torvorlage, 38 Prozent gewonnene Zweikämpfe – Borussias finnischer Nationalspieler kam gut in die Saison, um dann durch Verletzungsprobleme einmal mehr zurückgeworfen zu werden. Ansonsten dürfte Ring wohl ein paar Spiele mehr in seiner Hinrundenbilanz stehen haben.

Doch auf welcher Position? So richtig angekommen ist die 21-Jährige Leihgabe von HJK Helsinki nicht. Ring ist keiner genauen Positionsbeschreibung zuzuordnen – seine Polyvalenz könnte ihm dabei zum Verhängnis werden. Eigentlich ist der Finne gelernter „Sechser“. Dennoch wird er sowohl in Gladbach als auch in der Nationalelf Finnlands vornehmlich als rechter Mittelfeldspieler eingesetzt.

Bei der Borussia konnte Ring dort allerdings auch nach der Beorderung Hermanns in die Offensive keine Zeichen setzen. Letztlich gewann Lukas Rupp das Duell auf der Außenbahn erst einmal für sich. Ob Sportdirektor Max Eberl die vorhandene Kaufoption (1,5 Millionen Euro) ziehen wird, bleibt abzuwarten. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Ring muss im Trainingslager in Dubai ordentlich punkten und vor allem gesund bleiben.

Tolga Cigerci

Zehn Pflichtspiele, ein Tor, 42 Prozent gewonnene Zweikämpfe – die Leihgabe vom VfL Wolfsburg hatte sich vor der Saison viel (mehr) vorgenommen. Nach einer guten Vorbereitung schien es, als ob der Deutsch-Türke tatsächlich seinen Durchbruch im Trikot der Borussia feiern könne. Leider wurde ihm allen voran sein phasenweise katastrophales Passspiel zum Verhängnis.

Keine Frage: Tolga Cigerci gibt immer 100 Prozent und stellt sich zweifellos in den Dienst der Mannschaft. Dennoch vermag es der 20-Jährige nicht seinen Kollegen nachhaltig zu helfen. Sein besonders im ersten Drittel der Spielzeit gezeigtes Passspiel, welches beim Großteil der Beobachter Herzattacken verursacht haben dürfte, hat Borussias aufrückende Hintermannschaft nicht nur einmal in Teufels Küche gebracht.

Die bis dato beste Leistung zeigte Cigerci im Spiel bei Fenerbahce Istanbul, als ihm das erste Pflichtspieltor für die Fohlen gelang. Ob das reicht, um die Leihgabe am Niederrhein über die Saison hinaus halten zu wollen? Vieles spricht nicht dafür. Wenn überhaupt dürfte im Frühsommer neu verhandelt werden. Die Kaufoption in Höhe von rund vier Millionen Euro wird Sportdirektor Eberl logischerweise verstreichen lassen. Diese wurde einst vom ehemaligen Wölfe-Boss Felix Magath ausgehandelt und gilt in Anbetracht eines Marktwertes von ca. 800.000 Euro als völlig indiskutabel.

Lukas Rupp

16 Pflichtspiele, zwei Torvorlagen, 39 Prozent gewonnene Zweikämpfe – weshalb man dem 21-Jährigen den Spitznamen „Ruppinho“ verpasst hat ist, ohne allzu spitzzüngig zu sein, ein Rätsel. Auf dem Platz ist von einer brasilianischen Spielweise auch im entferntesten Sinne nichts zu sehen.

Rupp kämpft – das ist nicht abzustreiten. Rupp läuft die Linie rauf und runter – auch das ist nicht abzustreiten. Das der 21-Jährige der Defensive ein wenig mehr Kompaktheit verleiht kann man auch noch so stehenlassen. Im Spiel nach vorne zeigt „Ruppinho“ allerdings wenig bis gar nichts. Ein schwaches Passspiel, technische Unzulänglichkeiten, fehlende Grundschnelligkeit und der fehlende Zug zum Tor lassen viele Fragen zu. Warum spielt Rupp beinahe jedes Spiel von Beginn an? Reichen dessen Fähigkeiten für die Bundesliga? Ist eine Weiterentwicklung in Sicht?

Die Antworten dazu können nur Lucien Favre und der Spieler selbst geben. Es ist an der Zeit, das vielzitierte Talent von der Leine zu lassen. Sonst ist der aktuelle Stammplatz schnell in Gefahr. Kollege Alexander Ring wird im Kampf um einen Vertrag mit den Hufen scharren.

Amin Younes

Ein Pflichtspiel, eine Torvorlage – über Borussias „Rohdiamanten“ gibt es erstaunlich wenig zu schreiben. Er selbst und die meisten Beobachter werden sich von der Hinrunde 2012/2013 mehr versprochen haben. Lucien Favre gönnte dem 19-jährigen Hochbegabten lediglich 19 Einsatzminuten in Istanbul. Aufgrund des vorzeitigen Weiterkommens in der Europa League ein Spiel ohne Wert.

Doch Younes machte dennoch auf sich aufmerksam, als er die Abwehr der Türken schwindelig spielte und den Ball mustergültig auf Torschütze Luuk de Jong querlegte. Weshalb Younes bei Lucien Favre keine guten Karten zu haben scheint, könnte gleich zwei Gründe haben. Neben seinem auslaufenden Vertrag gilt der 19-Jährige als nicht ganz einfacher Charakter. Younes soll sich besser sehen als er eigentlich ist und höher fliegen als es seine Größe erlaubt.

Als Zeugnis dafür kann man Younes‘ sehr unbedachte Äußerungen nach dem Spiel gegen Fenerbahce werten. Statt den Moment zu genießen, ließ sich das Talent gegenüber Medien lieber ausführlich über seine persönliche sportliche Situation aus. Ob der auslaufende Vertrag von Amin Younes verlängert wird ist mehr als fraglich. Borussia will, so heißt es, um vier Jahre verlängern und den Mittelfeldspieler bei einem Zweitligisten parken. Nun liegt die Entscheidung allein beim 19-jährigen und dessen Beratern.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 02. Januar
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