Leverkusen, Rom, Hamburg und die seltsamen Ansichten des Max Eberl

Ich muss gestehen ein wenig fassungslos zu sein. Warum? Weil die Borussia derzeit arg und schlimmer kränkelt als erwartet . Besonders die vergangenen drei Pflichtspiele geben wenig Anlass zur Freude. 3:3 gegen Bayer Leverkusen, 3:3 gegen Lazio Rom und 0:1 beim HSV – was auf dem ersten Blick halbwegs ordentlich aussieht, ist in Wirklichkeit alles andere als großer Sport. Mehr noch. Fußballerisch waren die Darbietungen trotz der sechs Tore allenfalls unterer Durchschnitt.

 

 

 

Aus dem Spiel heraus gelang der Mannschaft von Trainer Lucien Favre beinahe nichts. Gegen Bayer 04 Leverkusen jubelte deshalb sogar ein ganzes Stadion, nur weil es eine Ecke gab. Wohlgemerkt in der 44. Spielminute. Dass diese Ecke zu einem Tor führte, ist derweil bezeichnend für die aktuelle Situation des VfL. „Keine Chance ohne Standards“ heißt das Credo im Borussia-Park. Auch gegen Lazio Rom wurden die Fohlen nur durch Standards gefährlich. Gegen den HSV fielen dann auch diese Möglichkeiten beinahe komplett flach.

Es fehlt weiter die Balance

Was ich mich frage: Wo stände die Borussia ohne die vielen genutzten Standardsituationen? Wo ohne die Genialität eines Juan Arango? Im Nirgendwo? Eher weiter unten. Bringen wir es auf den Punkt: Das Offensivspiel ist (ohne Standards) schlichtweg gerade so tauglich, um mit dem unteren Durchschnitt der Liga mitzuhalten. Klingt bei 30 Punkten auf der Habenseite zwar ein wenig realitätsfern, ist aber unter dem Strich die Wahrheit.

Es fehlt weiter die Balance zwischen der Defensive und der Offensive. Zudem mangelt es an der nötigen Geschwindigkeit zwischen den Reihen und der Konzentration im Passspiel. Nein, ich gehe einen Schritt weiter: Es fehlt die Qualität. Namen will gar keine nennen. Beobachter des VfL wissen um „ihre“ Pappenheimer. Der Kader der Fohlen ist und bleibt inhomogen. Talentiert sind die, die mit ihren Hufen scharren, gewiss. Doch auch nach dem 22. Spieltag passt noch nicht allzu viel zusammen.

Eberl fehlen die Volltreffer

Dafür mitverantwortlich ist ohne Wenn und Aber auch Max Eberl. Borussias Sportdirektor, der in der Vergangenheit u.a. mit der Entdeckung von Spielern wie Marco Reus und Dante glänzen konnte, hatte zuletzt nicht immer ein glückliches Händchen. „Der Erfolg von gestern ist der Lorbeerkranz auf dem Kompost von heute“ – eine „Weisheit“, die auch ein wenig auf Eberl zu passen scheint. Denn die Liste der Spieler, die nicht wie erhofft einschlugen oder sich nicht entsprechend entwickelt haben, ist lang.

Igor de Camargo, der Borussia oftmals den „Arsch“ rettete, aber niemals gänzlich zur Entfaltung kam, Raul Bobadilla, Yuki Otsu, Lukas Rupp, Matthias Zimmermann, Mathew Leckie, Alexander Ring, Branimir Hrgota und Peniel Mlapa sind alles Spieler, die den VfL nicht weiterbrachten und wohl mittelfristig, sofern noch im Kader, nicht weiterbringen werden. Letzterer wurde für rund drei Millionen Euro von der Ersatzbank der TSG 1899 Hoffenheim weggekauft um in Gladbach zu „glänzen“. Da fasse ich mir doch an den Kopf. So einen Spieler hole ich mir – wenn überhaupt – ablösefrei.

Eberl läuft Gefahr 30 Millionen Euro verbrannt zu haben

Granit Xhaka und Luuk de Jong könnten die nächsten in der mit Sicherheit noch zu ergänzenden Liste sein. Während man Luuk de Jong „lediglich“ besser ins Spielsystem integrieren müsste, sieht die Sache beim Schweizer Nationalspieler etwas anders aus. Es ist durchaus fraglich, ob die für die Axpo Super League durchaus vorhandene Qualität für höhere Aufgaben ausreicht. Das ein 8,5 Millionen Einkauf nicht an einem bereits aussortierten Thorben Marx vorbei kommt ist schon ein Armutszeugnis – für alle Beteiligten.

Apropos Armutszeugnis: Den schwarzen Peter der Woche bekommt für mich ganz klar Max Eberl zugesprochen. Während der Sportdirektor die Leistungen der letzten Wochen fleißig schönredet und gegen die DFL samt deren Spielansetzungen ätzt, setzt er dem Ganzen im Interview noch die Krone auf. „Wenn ich ein Hamburger wäre, würde ich gleich mehrere Kerzen in der Kirche anzünden. Aber Fußball ist eben nicht immer gerecht. Diesmal hatten wir nicht das Quäntchen Glück auf unserer Seite“, sagte er gegenüber der WZ. Zuvor hatte Eberl „ein richtig gutes Spiel der Borussia gesehen.“

Borussia braucht Kerzen

Gladbachs Sportdirektor sollte sich bei Arnesen, Fink und Co. mal erkundigen, wo jene Kerzen günstig  zu bekommen sind. Diese wird der 39-Jährige in den kommenden Wochen zu Genüge brauchen. Gegen Rom, Dortmund und Frankfurt bedarf es in der momentanen Verfassung schon weitaus mehr als nur eine handelsübliche Packung. Im März sollte dann auch noch eine übrig sein. Es ist erfahrungsgemäß ziemlich dunkel im Tabellenkeller. Gut, das man am Niederrhein schon 30 Punkte auf dem Konto hat und die Teams aus Fürth, Augsburg und Hoffenheim eine eigene „Liga“ bilden.

Diesbezüglich sollte auch Max Eberl langsam aber sicher aufwachen und die Dinge nicht schöner reden als sie sind. Dafür sind schon viele unbelehrbare, durch die Vereinsbrille blickende, Fans verantwortlich. In Gladbach haben augenscheinlich nur zwei Menschen den Mumm die Wahrheit auszusprechen. Lucien Favre, der bereits vor der Saison die richtigen Worte fand und Martin Stranzl. Der Österreicher legte bereits in der vergangenen Woche die Finger in die weit klaffende Wunde: „Es wird oft gesagt, wir stecken in einem Lernprozess, aber wir müssen auch mal einen Schritt weiter kommen. Wenn man sich die Spielanlage, unsere Mannschaft anguckt, dann muss man das besser machen.“

Erneute Qualifikation für Europa so nur auf der Playstation

Genau das macht Stranzl auch neben dem Platz so wertvoll. Mit Schönrederei schafft man den Protagonisten lediglich eine nicht förderliche Wohlfühloase. Gladbachs Spieler wollen nach eigener Aussage auch in der kommenden Spielzeit international vertreten sein. Anspruch und Wirklichkeit klaffen dahingehend allerdings noch meilenweit auseinander. Aus aktueller Sicht dürfte es mit Ausnahme der Playstation ein frommer Wunsch bleiben.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 18. Februar
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