Borussia M’gladbach: Dicke Luft zwischen Max Eberl und Lucien Favre?

Max Eberl sauer auf Lucien Favre?

(Foto: imago)

In der vergangenen Spielzeit waren Max Eberl und Lucien Favre so etwas wie das Dream-Team der Bundesliga. Sportlich lief es mehr als rund am Niederrhein. Während der Manager für einige kluge Investitionen (zurecht) gefeiert wurde, eilte das Team seines Trainers von Sieg zu Sieg und schwang sich zur absoluten Überraschungsmannschaft auf.

Dass es hinter den Kulissen nicht immer so rosig zuging, gelang dabei nicht immer in die Öffentlichkeit.

Erste Risse im Januar diesen Jahres

Januar 2012: Lucien Favre war „not amused“. Unmittelbar vor dem Wintertrainingslager musste er hinnehmen, das sein wichtigster Spieler dem Verein im Sommer den Rücken kehren wird. Marco Reus, der Positiv-Faktor im Spiel der Borussia, einer der den Unterschied ausmachte und auf den das Spiel der Fohlen ausgerichtet war. Zudem gab Mittelfeldstratege Roman Neustädter bekannt im Sommer ebenfalls eine neue Herausforderung anzunehmen. Bereits damals gab es erste Risse zwischen Eberl und Favre.

Zum Ende der vergangenen Spielzeit hielten sich Gerüchte bezüglich eines Endes der Ära Favre im Sommer. Angebote, wie das von Olympique Marseille, schienen den Schweizer durchaus zu reizen. Die Situation in Mönchengladbach dürfte ihn nur allzu sehr an sein Scheitern bei Hertha BSC Berlin erinnert haben. Damals führte er die graue Hauptstadtmaus ebenfalls sensationell auf Platz vier der Bundesligatabelle. Der weitere Verlauf ist bekannt. Die klamme Hertha musste seine Leistungsträger aus finanziellen Gründen verkaufen.  Den sportlichen Aderlass verkraftete die Mannschaft nicht – den daraus resultierenden Absturz konnte Lucien Favre damals nicht aufhalten. Nach nur wenigen Wochen wurde der Schweizer für die Situation verantwortlich gemacht und ausgetauscht.

Berlin 2.0?

Auch in Mönchengladbach verlor Favre einen Teil seiner besten Spieler. Neben Marco Reus und Roman Neustädter verließ auch Abwehrchef Dante den Verein. „Wir haben unser Rückgrat verloren“, konstatierte der Romand wenig später. Dass er seinen Vertrag im Borussia-Park kurz vor der neuen Spielzeit dennoch bis 2015 verlängerte, kam gerade deshalb für viele überraschend. Der Hauptgrund dafür dürfte ein feiner aber entscheidender Unterschied zu seiner Zeit in Berlin gewesen sein. Anders als damals, als man trotz vieler Abgänge keinerlei finanzielle Mittel zur Verfügung hatte, um die Abgänge zu kompensieren, durfte Favre in Gladbach investieren.

Mehr als 30 Millionen Euro gab Max Eberl für neues Personal aus – dennoch jammert Favre seit dem Sommer wie ein kleines Kind. Er müsse nun „wieder bei Null anfangen“. Zudem meint der Romand, die Neuzugänge nur per DVD gekannt zu haben. Neuzugänge nur per DVD? Da dürften bei vielen Fans des VfL böse Erinnerungen an die Ära Peter Pander wachwerden. Der ehemalige Manager kaufte mutmaßlich schon mal gerne Spieler nach einer Sichtung via YouTube. Der Brasilianer Kahe auch „Shrek“ genannt, soll so eine „shrekliche“ YouTube-Verpflichtung gewesen sein.

Eberl klärt auf und echauffiert sich

Max Eberl relativiert die Aussagen seines Trainers, der sogar davon sprach, die Transfers von Luuk de Jong, Alvaro Dominguez und Granit Xhaka seien alleine auf dessen „Mist“ gewachsen, nun in einem Interview mit der Sportbild: „Der Trainer war bei allen Transfers involviert. Fußball ist ein Teamsport, auf und außerhalb des Platzes. Transfer-Entscheidungen werden bei uns im Team abgewickelt.“ Erneut zeigt man sich uneins im Borussia-Park. Dass sich beide Protagonisten nicht allzu grün sind, erschließt sich jedem journalistischen Beobachter. Nach den Spielen würdigen sich Eberl und Favre in der Mixed-Zone keines Blickes. Konversation? Fehlanzeige!

Die Geduld des weitestgehend im Hintergrund agierenden Sportdirektors scheint langsam aber sicher aufgebraucht. Auch das Verhalten und die Aussagen seines Coaches gegenüber der Mannschaft scheinen den 39-Jährigen nicht zu gefallen: „Er beginnt nicht bei Null, sondern auf ordentlichem Bundesliga-Niveau – mit der Möglichkeit einer Weiterentwicklung. Was soll denn Jürgen Klopp in Dortmund sagen? Ich bin jetzt zweimal Meister geworden, jetzt sehe ich keinen Reiz mehr? Nein! Klopp sagt: Geil, eine neue Herausforderung, der wir uns stellen müssen. So geht das auch bei uns.“

Die nächsten Wochen könnten entscheidend sein

Eine Aussage Eberls, die an Schärfe kaum noch zu überbieten ist. Lucien Favre scheint in Mönchengladbach trotz der immensen Erfolge nicht mehr unantastbar. Die kommenden drei Partien könnten für die Zukunft des Romands sogar von entscheidender Bedeutung sein. Am Donnerstag geht es in der Europa League gegen Olympique Marseille bereits um Alles. Im Anschluss daran warten mit dem Auswärtsspiel bei Hannover 96 und dem DFB-Pokal-Spiel bei Fortuna Düsseldorf zwei weitere richtungsweisende Aufgaben auf die Elf vom Niederrhein. Ähnlich blutleere Leistungen wie zuletzt in Dortmund (0:5) und Bremen (0:4) werden sich weder die Mannschaft noch Lucien Favre leisten können.

Der Romand ist öffentlich angezählt. Max Eberl, der nach den Rekordtransfers ebenfalls unter Zugzwang steht, wird in den kommenden Wochen ganz genau hinsehen und eine sportliche Entwicklung sehen wollen. Anderenfalls könnte es tatsächlich eng werden für seinen Schweizer Erfolgscoach.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 25. Oktober
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