Trostloses 0:0: Ohne Beschleunigung am Ball wird es schwer mit der Balance

Nicht wenige Beobachter hatten große Erwartungen an den Rückrundenauftakt des VfL bei der TSG Hoffenheim. Während des Trainingslagers in Dubai wurde akribisch an der spielerischen Komponente im Spiel der Fohlen gefeilt. Trainer Lucien Favre zeigte sich mehr als zufrieden und seine Mannen auf einem guten Weg. Nach dem trostlosen 0:0 bei der TSG ist nun allerdings so etwas wie Ernüchterung eingekehrt.

65 Prozent Ballbesitz und 91 Prozent erfolgreich an den Mitspieler gebrachte Pässe zeugen von einer klaren Verbesserung des Spiels der Borussia. In der Hinrunde fielen jene Werte oftmals ganz anders aus. Da lief man dem Gegner meist hinterher und überließ ihm den Ball sowie beinahe sämtliche Aktionen. Zudem reihte sich teils ein gravierender Fehlpass an den anderen. So zerstörte die Mannschaft von Trainer Lucien Favre zeitweilig das eigene Spiel.

Zwei Torchancen in 90 Minuten können nicht der Anspruch sein

Doch verbesserte Werte stehen in Mönchengladbach nicht zwangsläufig für eine bessere Spielkultur. Denn trotz der scheinbaren Dominanz auf dem Platz vermochte es der VfL nicht den Abstiegskandidaten aus dem Kraichgau nachhaltig in Gefahr zu bringen. Ganze zweimal schossen Luuk de Jong und Co. tatsächlich auf das Gehäuse von Tim Wiese. Zwei im entferntesten Sinne gefährliche Torchancen in 90 Minuten – dies darf und kann nicht der Anspruch von Borussia Mönchengladbach sein.

Nein, der Anspruch am Niederrhein ist ein gänzlich anderer. Glaubt man den Aussagen der Spieler, soll auch in dieser Saison die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb herausspringen. Nach dem trostlosen 0:0 ist man zwar rein tabellarisch weiter in Schlagweite, einzig die Spielweise lässt doch arg zu wünschen übrig. Der Borussia fehlt es auf dem grünen Rasen an Farbe. Es scheint als würde dem Team die absolute „Geilheit“ auf den Erfolg fehlen. Zudem fehlt ihr weiterhin ein eminent wichtiges Puzzleteil zur vielzitierten Balance.

Die Borussia hat noch immer ein Kreativvakuum

„Es hat die Beschleunigung am Ball gefehlt“, resümierte VfL-Coach Lucien Favre nach dem Spiel im Kraichgau und sprach damit Gladbachs große Schwäche in dieser Saison an. Seit deren Beginn befinden sich die Fohlen in einer Art Kreativvakuum gepaart mit fehlender Schnelligkeit im Kopf und den Füßen. Diese Tatsache wird gerade immer dann besonders sichtbar, wenn Borussias Zauberfuß Juan Arango nicht wie gewohnt zur Geltung kommt. Der Venezolaner blieb ebenso blass wie Borussias aktueller Mann für die Geschwindigkeit – Patrick Herrmann.

Nicht zuletzt deshalb tat sich die Elf vom Niederrhein gegen neu formierte Hoffenheimer schwer im kalten Sinsheim. Vor allem in der Offensive fehlte es neben der von Favre monierten Geschwindigkeit an Ideenreichtum im „neuen“ variantenreichen Spielsystem. 90 Minuten lang versuchte der Coach die dicht gestaffelte Defensive der Kraichgauer durch Umschalten des Systems von einem 4-4-2 auf ein 4-3-3, welches man durchaus auch als ein 4-1-4-1 interpretieren kann, auseinanderzuziehen. Ohne durchschlagenden Erfolg. „Wir waren manchmal etwas zu zögerlich“, versuchte der Schweizer die Problematik nach der Partie richtig einzuordnen.

Seit acht Pflichtspielen ohne Niederlage

Und doch ist seine Mannschaft seit nunmehr acht Pflichtspielen ohne Niederlage und kassierte dabei lediglich drei Gegentore. „Wir haben uns stabilisiert“, analysierte Sportdirektor Max Eberl deshalb treffend. Dennoch fehlt auf dem Rasen die Balance zwischen defensiver Stabilität und offensiver Durchschlagskraft. Letztere sollte Lucien Favre schnellstmöglich finden, um den durchaus richtigen Weg nicht aus den Augen zu verlieren. Möglichst schon am nächsten Samstag. Denn mit Fortuna Düsseldorf ist ein Gegner zu Gast im Borussia-Park, der mit seiner Art zu spielen den Gladbachern nicht gerade liegen dürfte.

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 21. Januar
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