Talent in neuer Rolle: Patrick Herrmann bringt der Borussia die Offensivpower zurück

Borussias neuer "Neuneinhalber" - Patrick Herrmann

(Foto: Jdp-Fotos.com)

Lucien Favre ist nicht gerade für Experimente bekannt. Der Schweizer liebt es geradezu an Altbewährtem festzuhalten. Dementsprechend hielt Favre bis dato auch an dem in der vergangenen Saison so erfolgreichen Spielsystem seiner Borussia fest. Für viele ein Fehler. Doch die Dinge scheinen sich zu wandeln.

Der Schweizer Coach hat letzten Endes doch experimentiert. In den ersten Monaten der laufenden Saison gab er praktisch jedem nur erdenklichen Spieler die Möglichkeit sein Können auf der Position der hängenden Spitze zu demonstrieren. Nachhaltig empfehlen konnte sich keiner der Protagonisten. Erst die wohl letzte Möglichkeit Favres scheint nun tatsächlich zu fruchten.

Seit dem Europa-League-Hinspiel gegen Olympique Marseille, das die Borussia ziemlich unerwartet mit 2:0 gewann, setzt der Romand auf den schnellen Patrick Herrmann als Halbstürmer. Eigentlich eine logische Maßnahme – ähnelt doch der Flügelflitzer am ehesten den Qualitäten des einstigen Schlüsselspielers Marco Reus, dessen Position es seit seinem Abgang zu Borussia Dortmund neu zu besetzen gilt.

Gegen Fürth stark

Seit nunmehr sechs Pflichtspielen durfte sich Patrick Herrmann auf seiner neuen Position einspielen und an die für ihn ungewohnte Spielweise herantasten – mit Erfolg. Der 21-Jährige scheint spätestens seit dem 4:2-Auswärtssieg in Fürth, bei dem er wohl sein bislang bestes Saisonspiel ablieferte, in seiner neuen Rolle aufgegangen zu sein. Hermann bringt genau jene Geschwindigkeit mit, die dem Team von Lucien Favre seit Reus‘ Abschied abhandengekommen ist.

In Marseille und zuletzt gegen Fürth war der U21-Nationalspieler zu keiner Zeit zu bändigen und schwang sich zum ständigen Unruheherd auf. Vieles erinnerte dabei an die Spielweise der vergangenen Saison. Herrmann bringt neue Power und Dynamik in das erlahmte Offensivspiel seiner Mannschaft und findet in dem wieder ins Team zurückgekehrten Mike Hanke den idealen Spielpartner.

Hanke der ideale Partner

Der ehemalige Nationalspieler, der in der Vergangenheit bereits mit Marco Reus hervorragend harmonierte, zeigte gerade in Fürth, wie wichtig er für das Spiel der Fohlen sein kann. Hanke ist in der Lage die zweiten Bälle zu holen, sie zu behaupten, um dann den wichtigen Pass zwischen die gegnerischen Reihen zu spielen. „Ich lauere auf die Bälle, die in die Schnittstelle kommen. Insbesondere Mike Hanke spielt diese Bälle sehr gut. Das Zusammenspiel mit ihm hat ganz gut funktioniert“, gab Patrick Herrmann nach dem Spiel in Fürth zu Protokoll.

Dem 21-Jährigen kommt genau dieses Spiel zweifelsfrei zugute. Und so dürfte Trainer Lucien Favre seine Wunschaufstellung (endlich) gefunden haben. Patrick Herrmann und Mike Hanke in vorderster Front – es könnte sich ein neues Traumduo für die Borussia gefunden haben. Dies zeigt einmal mehr, wie schnell es im Fußballgeschäft laufen kann. Der 29-jährige Hanke war aufgrund mangelnder Leistung und seinem Facebook-Fauxpas, der ihm vorrübergehend seinen Platz im Kader kostete, schon beinahe von der Bildfläche verschwunden. Nun deutet vieles auf eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages hin.

Gewinner und Verlierer

Hanke und Herrmann sind zweifellos die Gewinner der vergangenen Wochen. Doch wo es Gewinner gibt, sind bekanntlich auch meist Verlierer. Igor de Camargo und Granit Xhaka sind durchaus als solche zu bezeichnen. Der belgische Stürmer erlebt möglicherweise die letzten Wochen im Borussia-Trikot. In 15 Pflichtspielen (zwei Tore) konnte de Camargo nicht nachhaltig auf sich aufmerksam machen. Dem 29-Jährigen soll ein Angebot aus der belgischen Jupiler League vorliegen.

Der Schweizer Xhaka macht indes die wohl schwierigste Phase seiner bisherigen Karriere durch. Seit sechs Pflichtspielen durfte der Hochbegabte nicht mehr von Beginn an ran. Während die „Zehnerposition“ durch die starken Leistungen Herrmanns wohl endgültig wegfallen dürfte, hat ihm der defensiv solide agierende Thorben Marx auf der „Sechs“ zumindest vorerst den Rang abgelaufen.

Granit Xhaka, der gerne die Hauptrolle in Mönchengladbach spielen würde, bleibt aktuell nur der Platz auf der harten Ersatzbank. Die Hauptrolle spielt erst einmal ein anderer – Patrick Herrmann.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 13. November
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