Trotz Niederlage: Borussia blickt auf Europa

Am Niederrhein könnte man sich wohl noch tagelang sprichwörtlich über den von Schiedsrichter Florian Meyer zu Unrecht gegebenen Elfmeter schwarz ärgern. Eine unfassbare Unsportlichkeit, ein Fall Möller 2.0 brachte die Gladbacher Borussia gegen den 1.FC Nürnberg bereits in der Frühphase des Spiels auf die Verliererstraße. Doch nicht alleine die fragwürdige Entscheidung des Referees sorgte für die erste Pflichtspielniederlage seit vielen Wochen.

 

 

 

Man kann sich über den Schauspieler Mike Frantz aufregen. Muss man aber nicht. Fehlentscheidungen gehören zum Fußball dazu – weitaus mehr als die von vielen verteufelte Pyrotechnik in den Stadien der Bundesliga. Dass der wohl beste Schiri des Landes auf diese unsägliche Aktion reinfiel, ist allerdings nicht alleine ihm zuzuschreiben. Haben sämtliche Beobachter mindestens eine Superzeitlupe zur Verfügung, muss ein Schiedsrichter in einem Sekundenbruchteil über Recht und Unrecht entscheiden. Diesbezügliche Debatten werden deshalb oftmals, ohne die Bedingungen die der fragwürdigen Aktion zugrunde liegen weiter zu beachten, entschieden zu weit getrieben.

Thorben Marx offenbart seine Schwächen

Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre hatte vielmehr 86 Spielminuten Zeit das Ergebnis gegen einen Abstiegskandidaten in die richtige Richtung zu drehen. Dass dies nicht wie erhofft funktionierte, lag neben der Fehlleistung Meyers und der Oscar verdächtigen Einlage des Nürnberger Spielers einzig an den eigenen Unzulänglichkeiten des VfL.

Rund 70 Prozent Ballbesitz, viele hochklassige Torchancen und ein eigentlich mehr als ordentliches Auswärtsspiel ergeben unterm Strich null Punkte. Allen voran Patrick Herrmann und Luuk de Jong hätten für einen Dreier im Frankenland sorgen können – alleine die Konzentration vor dem Tor fehlte. Zudem fehlte Lucien Favres Schützlingen diesmal auch die nötige Qualität im Mittelfeld. Der Ausfall von Havard Nordtveit deckte einmal mehr die eklatanten Schwächen eines Thorben Marx schonungslos auf. Borussias eigentlich stabiler „Sechser“ gelang es gegen den „Club“ weder die richtige Balance zu finden noch „Neukollege“ Lukas Rupp auf der für ihn ungewohnten Position den Rücken halbwegs freizuhalten. Zu allem Überfluss unterlief dem Routinier der entscheidende Fehlpass vor dem 2:0 für die Nürnberger, das durch Herrmann nur noch verkürzt werden konnte.

Auch die Konkurrenz patzt

Borussia erstmals seit neun Spielen geschlagen – Bonjour Tristesse im Borussia-Park? Von wegen. „Wir wissen, dass wir auch einmal ein Spiel verlieren können. Wir müssen die Dinge abstellen, die wir falsch gemacht haben und weiter nach vorne schauen“, gab sich Aushilfskapitän Roel Brouwers nach der vermeidbaren Niederlage trotzig. „Mit etwas Glück hätten wir den Anschlusstreffer eher erzielt. Dennoch war die Niederlage total unnötig und ein wenig naiv“, analysierte Trainer Favre nach dem Spiel treffend und war mit dem Auftritt seiner Elf lediglich semizufrieden.

Den Kopf oben behalten kann nur das Credo am Niederrhein lauten – nachhaltig etwas verändert hat sich durch die Niederlage im Frankenland ohnehin nicht. Da die gesamte Konkurrenz – mit Ausnahme von Eintracht Frankfurt – ebenfalls gepatzt hat, bleibt Gladbach weiter in Schlagweite, was die Europa-League-Plätze betrifft.

Europa im Blick

Der frühe Februar steht deshalb ganz im Zeichen Europas. Schon am kommenden Samstag ist mit Bayer Leverkusen eine Mannschaft von derzeit allerhöchstem Format zu Gast im Borussia-Park. Ein Sieg gegen die Werkself könnte den Fohlen noch einmal zusätzlichen Auftrieb geben und die ebenso schmerzliche wie vermeidbare Niederlage gegen Nürnberg vergessen machen. Vor rund 50.000 Fans wird sich dann zeigen ob Borussia Mönchengladbach tatsächlich das Zeug für höhere Aufgaben hat. Nur fünf Tage später fordert Lazio Rom die Elf vom Niederrhein zum heißen Europa-Pokal-Tänzchen auf.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 05. Februar
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