Vorne hui, hinten semi pfui: Borussia siegt in Fürth – wird die Defensive im Winter verstärkt?

Borussia Mönchengladbach konnte in Fürth jubeln...

(Foto: Jdp-Fotos.com)

Mit 4:2 bezwang Borussia Mönchengladbach am Sonntagabend den Aufsteiger in Fürth. Doch nicht alles, was die Fohlen in der Trolli-Arena anboten, war eines derart „klaren“ Sieges würdig. Der 4:2-Sieg in Überzahl war letztlich verdient, dennoch kaschiert er einige Schwächen des Favre-Teams.

Nein, die Borussia aus Mönchengladbach hätte sich nicht beschweren dürfen, wäre das Spiel in eine völlig andere Richtung verlaufen. Die von Mike Büskens trainierten Kleeblätter zeigten eine für einen Tabellensiebzehnten sehr starke Leistung – vor allem kämpferisch. Zweimal gingen die Franken in Führung, beide Male kam die Elf vom Niederrhein zurück ins Spiel.

Und wie. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre zeigte teils hervorragende spielerische Elemente, spielte schnell über außen und wurde allen voran aufgrund des verbesserten Flankenspiels belohnt. Borussia Mönchengladbach ist wieder da und mit 16 Punkten nach elf Spielen weiter in Schlagweite zu den begehrten Europa-League-Plätzen.

Borussia zeigt erneut Nehmerqualitäten

Dabei zeigte der VfL zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen Nehmerqualitäten und fightete sich nach einem Rückstand zurück in die Partie. Vor wenigen Spieltagen noch als „charakterloser Haufen“ verschrien, zeigt die Mannschaft nun Herz und Leidenschaft. Anders als beim 0:5 in Dortmund oder dem 0:4 in Bremen brechen Favres Mannen nicht mehr ein. Stattdessen kommen sie zurück und zeigen, zu was sie tatsächlich zu leisten imstande sind.

„Es zählt letztlich nur, dass wir die drei Punkte geholt haben“, gab Stürmer Mike Hanke nach dem Spiel in Franken zu Protokoll und ergänzte: „Wie sie zustande gekommen sind, danach fragt in zwei Wochen keiner mehr. Wir finden uns als Mannschaft so langsam und wir werden immer stabiler. Man sieht einfach, dass wir nicht einbrechen und an uns glauben.“ Also alles im grünen Bereich bei Schwarz-weiß-grün?

Hanke sieht neue Stabilität

Nicht ganz. Wenn Hanke sagt, dass man an sich glaubt und nicht einbricht, hat er recht. Dass in zwei Wochen kein Mensch mehr über das Zustandekommen redet, ebenfalls. Doch wenn er von Stabilität redet, scheint ihm die Realität doch ein wenig verloren gegangen zu sein. 8 Gegentore in den letzten 5 Pflichtspielen zeugen nicht gerade von gehobener Stabilität in der Defensive der Borussia.

Das einstige Prachtstück der Mannschaft von Lucien Favre leistet sich noch immer teils haarsträubende Fehler. Wie sich Tony Jantschke, der für viele Beobachter schon als Mann für die Nationalmannschaft galt, auf der rechten Seite teilweise ausspielen lässt, hat mit Bundesliganiveau nicht allzu viel zu tun. Die Nominierung von U21-Kollege Sebastian Jung in die Löw-Elf sollte dem 22-Jährigen einen „Hallo-Wach-Effekt“ liefern. Jantschke macht aktuell einfach zu wenig aus seinen Möglichkeiten.

Nur Dominguez wirklich stabil

Doch auch der Schwede Oscar Wendt, der derzeit den verletzten Kapitän Filip Daems auf links ersetzen muss, zeigt defensiv immer wieder Schwächen. So verschuldete er in Fürth einen Elfmeter, indem er den ehemaligen Nationalspieler Gerald Asamoah überaus naiv an der Strafraumgrenze zu Fall brachte. Glücklicherweise bügelte er seinen Fauxpas wenig später mit einem hervorragenden Kopfballtreffer wieder aus. Offensiv ist Wendt ein klarer Zugewinn – defensiv ist seine Leistung, wohl auch aufgrund der fehlenden Spielpraxis ausbaufähig.

So wie das der gesamten Mannschaft. Hätte der Gegner nicht Fürth geheißen und mehr individuelle Klasse besessen – Borussia Mönchengladbach wäre möglicherweise an die Wand genagelt worden. In der Viererkette glänzt einzig Neuzugang Alvaro Dominguez mit kontinuierlich starken Leistungen. VfL-Trainer Lucien Favre sieht seine Mannschaft dennoch auf einem guten Weg. Anders als noch vor einigen Wochen, als er seiner Mannschaft noch eine „seriöse Gefahr“ attestierte, spricht der Romand nun nur noch von „Details“, die zu verbessern sind.  Auch der Erfolgstrainer wird damit das Defensivspiel seiner Mannschaft meinen. Gelingt auch dort eine ähnliche Verbesserung wie im Gladbacher Offensivspiel, dürfte die Borussia bald wieder zu jenen Mannschaften gehören, die sich um die Europa-League-Plätze streiten.

Kirchhoff ein Thema in Gladbach

In der Winterpause könnte sich in der Defensive auch personell etwas ändern. Nicht zuletzt im Hinblick auf den drohenden Abschied von Martin Stranzl sieht man am Borussia-Park Handlungsbedarf. So steht seit geraumer Zeit Jan Kirchhoff vom FSV Mainz 05 auf der Agenda. Der Innenverteidiger der U21-Nationalmannschaft wäre im Sommer ablösefrei zu haben. In Mainz, so ist zu vernehmen, wäre man nicht abgeneigt, im Winter noch eine Ablösesumme für den 22-Jährigen zu generieren.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 12. November
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