Wendt als Vorbild für Granit Xhaka – Warten auf den richtigen Moment

Die ersten knapp eineinhalb Jahre waren wahrlich nicht einfach für Oscar Wendt. Der Schwede, der beim FC Kopenhagen zuvor über Jahre eine feste Größe war und sogar in der Champions League für Furore sorgte, fand sich nach seinem Wechsel zu Borussia Mönchengladbach plötzlich auf der harten Ersatzbank wieder. Filip Daems, sein Kontrahent auf der linken Defensivseite, war einfach zu stabil in seinen Leistungen. Eine Tatsache, die Wendt beinahe hätte verzweifeln lassen.

Auf 532 Bundesligaminuten brachte es der 27-Jährige in seiner ersten Spielzeit im Borussia-Park. Zu wenig für die eigenen hohen Ansprüche. „Ich möchte der Mannschaft helfen und persönlich so viele Spiele wie möglich bestreiten.

Ich denke, dass die Mannschaft besser ist als es der 16. Platz in der Vorsaison aussagt, deswegen ist es mein Ziel, in der kommenden Saison ein paar Plätze höher zu klettern“, sagte Wendt bei seiner Präsentation im Sommer 2011.

Verletzung von Filip Daems als Chance

Borussia kletterte. Bis auf Platz vier der Tabelle. Und das weitestgehend ohne die Dienste des Schweden. Wendt spielte nur im Krankheitsfall von Kapitän Filip Daems von Beginn an und kam höchstens als später taktischer Wechsel infrage. Dass sich dieses Bild zum positiven für den Linksverteidiger wenden sollte, war in keiner Weise abzusehen.

Doch es kam, wie es so oft im schnelllebigen Fußballgeschäft kommt. Eine hartnäckige Verletzung von Filip Daems spülte Wendt in die Startelf. Diese sich bietende Chance hat sich der ehemalige schwedische Nationalspieler selbstredend nicht nehmen lassen.

Seit einigen Spielen zeigt Oscar Wendt auf der linken Abwehrseite außerordentlich solide Leitungen mit ansteigender Form. Beim 2:1-Heimsieg der Fohlen gegen Fortuna Düsseldorf war der 27-Jährige mit seiner robusten Spielweise und seinem großen Offensivdrang der wohl beste Spieler auf dem Platz.

Borussias Linksverteidiger scheint nun also mit einiger Verspätung endgültig angekommen zu sein beim VfL. Der Spieler selbst sieht die Sache nordisch nüchtern: „Ich habe meine Chance erhalten und will diese natürlich auch nutzen. Ich hoffe, dass es so weitergeht.“ Sollte Wendt weiterhin derartige Leistungen bringen, dürfte dieser Wunsch durchaus Realität werden. Kontrahent Filip Daems wird sich erst einmal mit dem alten „Wendt-Status“ zufriedengeben und der Mannschaft dementsprechend von der Bank weiterhelfen müssen.

Granit Xhaka: Stammplatz auf der Bank

Mit dem Belgier auf der Bank sitzen wird 8,5 Millionen Neuzugang Granit Xhaka. Der Schweizer, der in der Winterpause endlich seinen Stammplatz zurückerobern wollte, scheint derzeit weiter von einem Platz in der Startaufstellung weg zu sein denn je. Selbst als Konkurrent Thorben Marx mit einer stark blutenden Platzwunde im Spiel gegen Düsseldorf auszufallen drohte, war der 20-Jährige für Trainer Lucien Favre kein adäquater Ersatz. „Thorben hatte in der Halbzeit große Schmerzen. Aber es war gut für ihn und für uns, dass er weiterspielen konnte. Er bringt uns unglaublich viel Stabilität“, äußerte sich der Romand vielsagend.

War Xhakas Degradierung zu Anfang noch eine Art erzieherische Maßnahme, ist er nun ein wenig aufs Abstellgleis geraten. Die Karriere ist zumindest vorrübergehend ins Stocken geraten und die Nationalmannschaftskarriere in Gefahr. So ging es auch Oscar Wendt, der aufgrund der anfänglichen Probleme am Niederrhein sogar die EM-Endrunde in der Ukraine und Polen verpasste.

Wiederholt sich die Geschichte?

Doch wie beim Linksverteidiger hat man in Mönchengladbach auch den Glauben an Granit Xhaka noch nicht verloren. Ein angebliches Angebot in Höhe von 8,5 Millionen Euro seitens Lazio Rom lehnte Sportdirektor Eberl kategorisch aus. „Ein Xhaka-Wechsel ist für uns kein Thema. Er muss natürlich ranklotzen. Aber wir wissen, was er kann. Und das wird er noch bei uns zeigen“, gab er gegenüber der Bild zu Protokoll.

„Granit muss ranklotzen, das ist klar“, würde Lucien Favre wohl sagen. Granit Xhaka muss aber vor allem Geduld bewahren. Auch Oscar Wendt beschäftigte sich einst mit einem möglich Wechsel, um der Tristesse zu entgehen. Doch er blieb und stieg plötzlich wie Phönix aus der Asche wieder auf. Diese Geschichte könnte sich auch beim jungen Schweizer wiederholen. Er muss nur auf den richtigen Moment warten und seine Chance dann auch ohne Kompromisse nutzen.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 29. Januar
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